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Hausputz erledigt? Schade!

Hilfe in Haus, Garten oder Rumpelkammer: Gestern hätte es dafür billige Schüler gegeben – und das auch noch für einen guten Zweck. Denn gestern war „Sozialer Tag“  ■ Von Sandra Wilsdorf

Eigentlich wollten sie ins Tierheim. „Aber das hat nicht geklappt“, sagt Jana Knabjohann. Und deshalb halten sie und ihre Freundin Tanja Friedemann jetzt Babys auf dem Arm. Sie sind zwei von fünf Praktikantinnen, die ges-tern ihren „Sozialen Tag“ im Kinderschutzhaus am Stadtpark verbracht haben. Wie sie gingen etwa 100.000 SchülerInnen in Schleswig-Holstein und Hamburg nicht zur Schule, sondern stattdessen zur Arbeit. Was sie verdienten, geht an den Verein „Schüler helfen Leben“, der damit Jugendprojekte auf dem Balkan finanziert und betreut.

„Sei doch ruhig. Der schreit, was mache ich denn?“ fragt Jana hilflos. Als sie den kleinen Jungen hin- und herschaukelt, ist er ruhig. Er und die anderen Schützlinge im Kinderschutzhaus des Landesbetriebes Erziehung und Berufsbildung können aus unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren Eltern sein. Aber sie werden auch hier nicht ewig bleiben. „Wir betreiben Krisenintervention, die Kinder bleiben zwischen 24 Stunden und drei Jahren bei uns“, sagt Sybille Weidlich, Leiterin der Einrichtung. Je nachdem wie lange es dauert, bis Eltern und Gerichte entscheiden. Die meisten der Kinder haben Schlimmes durchgemacht, erzählt Weidlich. Einige hätten von ihren Eltern Schläge statt Essen bekommen, um andere hätte sich einfach niemand gekümmert.

Sybille Weidlich fand die Idee vom sozialen Tag sofort gut: „Da sehen Jugendliche auch mal Kinder, die es nicht so gut haben.“ Bei ihr hatten die Praktikantinnen keine Regelaufgaben zu erfüllen: „Sie spielen mit den Kindern, geben Schwung beim Schaukeln, lesen vor.“

Vivien Clapham und ihre Schwester Helen spielen im Garten mit den größeren Kindern. „Das Gras ist rot“, findet ein Mädchen und läßt sich die Sache mit den Farben noch einmal erklären. „Aus meiner Schule machen die meisten mit“, sagt Vivien, „viele arbeiten in Cafés oder sortieren Akten.“

Tatsächlich waren längst nicht alle Jobs so im doppelten Sinne sozial wie die im Kinderschutzhaus. Einige „Arbeitgeber“ haben sich eher für einen Tag eine jugendliche Hilfe für Haus, Garten oder Rumpelkammer gegönnt und die erledigen lassen, wozu sie schon lange keine Lust hatten. Schirmherrin Heide Simonis hat beispielsweise vier Schüler ganz sozial damit beschäftigt, die Fahrräder der Familie auf Vordermann zu bringen. Und Hamburgs Schirmherr Ortwin Runde hat einen Schüler für fünf Mark pro Stunde seinen Garten frisieren und den Carport aufräumen lassen.

In mehreren Hamburger Hotels hatten die Fensterputzer gestern frei, ihre Arbeit haben Jugendliche gemacht. Schüler haben übrigens auch den Turm des Michels geschrubbt, Feuerwehrwagen gewaschen und auf dem Kieler Flughafen Flugzeuge gesäubert. Auch das Schleswig-Holsteinische Innenministerium hat nun – die Kinder auf dem Balkan danken – ein paar frischgestrichene Wände.

Die Hamburger Hotelbesitzerin Christine Kirchner sagte: „Ich finde diese Aktion auch deshalb gut, weil sie die Eigenverantwortung der Jugendlichen stärkt. Daran fehlt es heute doch sehr. Für alles wird der Staat verantwortlich gemacht, statt sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Dieser Tag ist ein guter Anlass, den Schülern das bewusst zu machen.“

Hauptsache, die Erwachsenen haben das auch schon kapiert.

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