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Hauptstadt ohne Humboldt

■ FU-Präsident fordert aus »Kostengründen« Zusammenlegung von FU und Humboldt-Uni/ Humboldt-Uni hat »außer Namen nichts zu bieten«

Berlin. »Keine Umstrukturierung!« hat jemand an eine Hauswand auf dem Campus der Berliner Freien Universität (FU) gesprayt. Fast allen ist jedoch klar, daß die akute Finanzknappheit der Stadt auch an den Hochschul-Fachbereichen in Dahlem nicht vorübergehen kann. Mit 60.000 Studenten, 1.000 Professoren, 2.500 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 15.000 Beschäftigten bietet die FU in vielem das Bild des »manövrierunfähigen Tankers«, das von Kritikerinnen und Kritikern immer wieder gern beschworen wird. Alle Bemühungen um tiefgreifende Strukturveränderungen sind bislang gescheitert.

Angesichts der allgemeinen Finanznot hat sich der frischgewählte FU-Präsident Johann Wilhelm Gerlach gestern in der Haushaltsdebatte im Kuratorium für eine »Berliner Universität« ausgesprochen, die dann nicht mehr Humboldt-Universität (HUB) oder Freie Universität heißen solle. Beide Einrichtungen müßten mit einer Stimme gegenüber der Landesregierung auftreten. Es gehe nicht darum, die Ostberliner Alma mater einzugemeinden, sondern die anstehenden Probleme »gemeinsam und mit weniger Geld« zu lösen. Der Präsident reagierte damit auf Kritik einiger Kuratoriumsmitglieder zu seinen jüngsten die HUB betreffenden Äußerungen. In der 'Berliner Zeitung‘ hatte Gerlach am Vortag die Möglichkeit der Auflösung der Humboldt-Universität ins Gespräch gebracht. Sie habe »nichts außer Namen und Gebäuden« zu bieten, zitierte das Blatt den Wissenschaftler. Während im Osten die Bibliotheken und Fachbereiche neu aufgebaut werden müßten, sei in Dahlem alles funktionstüchtig.

Die FU plane »intern rigorose Sparvorgänge«, betonte Gerlach. Das Konzept könne aber erst in vier bis fünf Jahren greifen. Die jetzt notwendigen Haushaltskürzungen würden für die Hochschule »unerträgliche Folgen« zeitigen. In vielen Bereichen seien, weil weitgehend »unbeweglich«, Ad-hoc-Kürzungen nicht möglich. So müßten in Einzelbereichen 30 Prozent der Mittel gestrichen, beispielsweise in Bibliotheken bestimmte Periodika abbestellt werden. Für den wissenschaftlichen Anspruch der FU sei dies »bedrohlich«. Das Kuratorium habe den »Zuschußbedarf« anzuerkennen. »Berlin muß teilen, aber es gibt Grenzen«, sagte Gerlach. Wenn das Land »seriös« verspreche, die Humboldt-Universität aufzubauen, müsse dies »seriös finanzierbar« sein. »Wenn man einen Hammer braucht, kann man nicht mit zwei Hämmerchen schlagen.« Thomas Kunze/adn

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