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■ Mit Prognose-Konjunkturen auf du und duHart wie D-Mark?

Berlin (taz) – Kaum kostet ein US-Dollar über 1,70 Mark, ist die Bundesbank mal wieder die Böse. Schließlich muß sie ja dafür sorgen, daß alle Welt beim Adjektiv „hart“ in Gedanken „wie D-Mark“ ergänzt. Weiteres Pech für Helmut Schlesinger, ihren Präsidenten: Zu Beginn der Sommer-Reisesaison merkt jedeR, daß es für eine Mark plötzlich weniger Dollar, Yen, Franc, Pfund und selbst Peseten und Lire gibt.

Und düster raunt der Blätterwald, das internationale Spekulationskapital (jene Billion täglich über die Märkte schwappenden US-Dollar) habe sich verschworen, die D-Mark weich zu klopfen; denn es herrsche Rezession (tiefe!), und der Lehrbuchsatz, jede Währung könne nur so stark sein wie die dazugehörige Volkswirtschaft, gelte auch für Deutschland.

Die Bundesbank, forderten gestern CDU-/FDP-Kreise in Bonn und auch das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, müsse deshalb die Leitzinsen senken, auf daß Kredite billiger werden und die Unternehmer wieder mehr investieren und somit die Wirtschaft wächst.

Tapfer verteidigte hingegen Lothar Müller, als Präsident der bayerischen Landeszentralbank auch Mitglied im Zentralbankrat der Bundesbank, die „Trippelschritte“ der Bundesbanker. Die Währungshüter seien vorsichtig, weil die Reaktionen der Gesamtkonjunktur auf Zinssenkungen erst wenig erforscht seien. Demgegenüber gehört es zu den Lehrbuchweisheiten, daß billiges Geld dazu verführt, mehr davon auszugeben, was die Inflation beschleunigt.

Am Mittwoch hatte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht außerdem klargestellt, daß die Bonner Regierungspolitiker schuld an der Malaise trügen. Die Defizite aller öffentlichen Haushalte würden 1993 voraussichtlich 7,5 Prozent vom Bruttosozialprodukt betragen und 90 Prozent der Ersparnisse auffressen. Sparen und keinesfalls Zinsensenken sei deshalb angesagt.

Schützenhilfe bekam die Bundesbank vom Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), der gestern die hohen Zinsen als Stütze für die D-Mark lobte. Diese Einnahmequelle würden sich die Spekulanten kaum entgehen lassen. Und darüber könne sich auch Waigel freuen, weil Kapital ins Land ströme. Die Märkte würden derzeit nur Korrekturen bei den D-Mark- Kursen vornehmen, weil die Mark seit langem überbewertet sei. Der Dollarkurs könnte durchaus auf 1,80 DM steigen. Das aber hat für eine Exportwirtschaft wie die deutsche vor allem Vorteile. Donata Riedel

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