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Hart umkämpfter Wohnraum Wohnst du schon oder suchst du noch?

In Zeiten der schweren Verfügbarkeiten fehlt es an allem Möglichen. Vor allem aber an der Basis: an Räumen, um das Leben zu gestalten. Wie leben, lieben und arbeiten wir in Zukunft?

Der Miethai berechnet das Volumen des Lebens auf den Raum Foto: Karolina El Lobo

Die erste eigene Wohnung, Raum teilen in der WG, Zusammenziehen, Kinderzimmer einrichten, Familie, Trennung, Ausziehen, anderer Stadtteil, neue Stadt … Das alles waren irgendwann einmal ganz normale und selbstverständliche Lebensschritte, die dem Leben Raum gaben. Doch das ist schon länger ganz und gar nicht mehr der Fall.

„Ja, willst du denn dein Leben auf deine Wohnung zuschneiden?“, entgegnete mir eine Bekannte überraschend schockiert, als ich wie selbstverständlich anführte, dass Kinder bei mir in absehbarer Zeit erst mal nicht geplant sind. Weil ich so eine gute, zentrale und auch noch bezahlbare Wohnung in meinem ganzen Leben nie wieder finden würde.

Das Leben auf den Raum schneiden

Dann eben keine Kinder, für mich eine komplett logische Schlussfolgerung. Dass es für Irritationen sorgen könnte, sein Leben dem Wohnraum anzupassen, kam mir vor ihrer Aussage (ich als Millennial und Geringverdienerin, sie als Boomerin und Beamtin) gar nicht in den Sinn.

Wer eine Wohnung gefunden hat, bleibt in dieser meistens auch. „Erst mal“, denkt man sich vielleicht – wenn man sich etwas Fantasie erlaubt, obgleich man es eigentlich besser weiß. Schließlich zählt Wohnen mittlerweile zu einem der luxuriösesten Hobbys. Einige wagen es nicht, deswegen eine Beziehung zu beenden. Ausziehen? Ist undenkbar.

Auslaugende Wohnraumjagd

Andere werden krank deswegen. Burn-out, die Ursache: auslaugende Wohnraumjagd. Man muss die Zeit und das Geld schon aufbringen, wenn man nicht nur ein okayes Leben, sondern auch noch wenigstens halbwegs angemessenen und schönen Wohnraum dazu möchte.

Außerdem überaus hilfreich: Stets die Ruhe bewahren und höflich, connected, offen und wagemutig bleiben, immer Resilienz beweisen. Sonst sind die Chancen sowieso schwindend gering.

Es gibt immer eine/n Wohnraumkämpfer*in, die/der schneller war, oder von irgendwo die besseren Kontakte beziehungsweise das nötige Kleingeld hatte. Unter diesen prekären Bedingungen kommen wir uns in der Mitte des Lebens vor wie Teenager: #nofuture und wenig Spielraum.

Wo haben wir die Abfahrt verpasst?

Das Dach über dem Kopf, die Fläche zum Arbeiten, ein Ort zum Wirksamwerden, dies zu erlangen, ist existenziell geworden. Die gesellschaftliche Verunsicherung ist allerorts zu spüren: Politik, Wirtschaft und Bür­ge­r*in­nen­schaft suchen nach Antworten.

Doch welche Schritte können wir unternehmen, um uns aus der Umklammerung prägender Faktoren wie dem Mangel an verfügbaren Flächen, kaum leistbaren Preisen sowie der starken Zunahme von Personal Profiling als Grundlage, ob man einen Mietvertrag bekommt, zu lösen?

Wie sieht es aus auf dem Wohnungsmarkt?

Dazu ist es notwendig, sich die quasitechnischen Rahmenbedingungen etwas genauer anzuschauen: Also, wie sieht es da draußen aus, auf „dem Wohnungsmarkt“ – jetzt und in Zukunft?

Könnten Instrumente wie Vorkaufsrecht, Konzeptverfahren, Erbbaurecht, oder genossenschaftliche Organisation Abhilfe schaffen? Und wie gelingt es, dass wir uns endlich in die Lage versetzen, Raum und ein sicheres Lebensgefühl zurückzugewinnen?

Lasst uns über Raum sprechen!

Anstatt müde, lethargisch oder panisch zu werden, wollen wir Frage- zu Ausrufezeichen machen. Dafür haben wir uns spannende Ge­sprächs­part­ne­r*in­nen eingeladen, um mit ihnen und dem Publikum beim taz lab über nichts weniger als den Raum zu sprechen, in dem sich unser Leben abspielt und den wir gerade deshalb aktiv mitgestalten wollen!

Auf dem taz lab sprechen Karolina El Lobo und Andreas Krüger dazu mit Caren Lay, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke und Fraktionssprecherin für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik, Florian Opitz, Dokumentarfilmregisseur der fünfteiligen Doku „Capital B – Wem gehört Berlin?“ und weiteren Expert*innen.