Hansis Geheimes Tagebuch (2): Sankt Jogi und die Eiche

Dem künftigen Bundestrainer über die Schulter geschaut: Wie Hans-Dieter Flick die EM erlebt, wie er die Nach-Löw-Ära plant und vieles mehr.

Zwei Männer geben sich die Hand

Joachim „Jogi“ Löw und Hans-Dieter „Hansi“ Flick Foto: Gambarini/dpa

Samstag, 19. Juni

Habe gerade Jogis Aufstellung gegen die Portugiesen gelesen. Wow. Dachte zuerst, die haben mir aus Versehen den Zettel vom Mittwoch in die Hand gedrückt. Auf allen Positionen gleich. Bloß, dass die Jungs alle mehr ins Risiko gehen sollen. Wenn’s schiefgeht, kann der Jogi sofort zurücktreten. Ob ich dann einspringen soll? Lust habe ich keine. Aber wenn’s klappt, dann darf der Jogi sein Turnier in aller Ruhe runterspielen. Niemand pinkelt ihm ans Bein. Dann steht die DFB-Zentrale demnächst am Joachim-Löw-Platz. Sankt Jogi.

Liebes Tagebuch, ich muss los, Spiel gucken.

Samstag, 19. Juni, abends

Respekt, Jogi. Respekt, Jungs. Als nach fünf Minuten das Tor nicht anerkannt wurde, wurde mir schon ganz anders. Und als nach 15 Minuten das 0:1 fiel, erst recht. Die alte Kobra-Wegmann-Weisheit: „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Alle lachen darüber, dabei stimmt sie: Erst das Tor selbst nicht machen, kein Glück. Dann kommt das Gegentor, Pech. Die Leute haben alle keine Ahnung von Fußball. Außer der Jogi, der ist ein sturer Hund. Oder ein Fels. Oder eine Schwarzwälder Eiche. Respekt.

Sonntag, 20. Juni

Ich dachte ja, wenn ich die Bayern los bin und den DFB noch nicht an den Hacken habe, kann ich den Fußball etwas mehr genießen. Ich wollte den Enkel­kindern mal Innen- und Außenrist beibringen. Und wie sie den Ball stoppen. Enkel vom Bundestrainer müssen doch sowas können!

Muss ich eigentlich auch diese Van-Laack-Klamotten anziehen, wenn ich den Job habe?

Damit ich nicht immer an die EM denke, habe ich heute morgen zum Frühstück Deutschlandfunk gehört. Bisschen Politik, was gibt’s Neues zu Corona, so was halt. Dachte ich. Aber da hat eine Frau immer von „Jogis“ oder so geredet. Ich fühl mich verfolgt. Dabei war das ’ne Yoga-Lehrerin.

Montag, 21. Juni

Ich mache mir wohl zu viel Gedanken. Habe im Bild-TV den Kloppo gesehen, wie er Urlaub auf ’ner Yacht macht und gut gelaunt erzählt, dass er so schlecht im Tippen ist. So geht Saisonvorbereitung wohl auch. Dass er sich im Deutschlandtrikot vor den Fernseher setzt, hat der Jürgen auch noch verraten. Ich könnte das nicht.

Muss meinen Vertrag mit dem DFB nochmal angucken. Muss ich eigentlich auch diese Van-Laack-Klamotten anziehen, wenn ich den Job habe? Als Assistenztrainer musste ich ja schon Strenesse und Hugo Boss tragen. Hauptsache, die lassen mich mit Nivea-Werbung in Ruhe.

Dienstag, 22. Juni

Will dem Jogi morgen wieder ’ne Whatsapp schicken: „Viel Glück und viel Erfolg!“ Eigentlich sollte ich noch so was schrei­ben wie „Was kümmert es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt“. Aber so ’ne SMS bekommt er bestimmt von Oli Kahn oder Uli Hoeneß.

Herrje, bin ich froh, dass ich die Bayern los bin.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de