Hansis geheimes Tagebuch (3): Wenn ich bald Jogi bin

Dem künftigen Bundestrainer über die Schulter geschaut: Wie Hansi Flick Erwartungshorizonte dämpft und welches Personal er wünscht.

Man sieht zwei Männerhände, jemand schreibt auf eine Kladde

Hansi Flick notiert sich die wichtigsten Gedanken Foto: MIS/imago

Dienstag, 22. Juni

Die Euphorie nach dem Portugal-Spiel gefällt mir gar nicht. Gut gegen Ronaldo heißt doch nicht gut gegen Ungarn! Aber was kann der Jogi machen, um die Erwartungshaltung zu dämpfen? Was kann ich demnächst machen?

Mittwoch, 23. Juni

Die Regenbogen-Debatte verstehe ich übrigens auch nicht, liebes Tagebuch! Wie kann man was gegen Schwule haben? Wie kann man Jugend vor Homos schützen wollen? Das kapier ich wirklich nicht. Ich finde Manus Kapitänsbinde gut. Ich finde Mats’ T-Shirt gut, mit dem er zur PK kam. Ich finde gut, was Leon gesagt hat. Aber das Stadion so beleuchten? Und die Fähnchen, die überall verteilt werden? Das lenkt doch ab. Als ich ins Stadion fuhr, habe ich überall Regenbogen gesehen. Mehr als Schwarz-Rot-Gold. Moderner Fußball! Was die in Ungarn da für ein Gesetz haben, weiß ich nicht. Aber geht das den Fußball wirklich etwas an?

Mittwoch, 23. Juni, abends

Die Ungarn sind keine Portugiesen! So hätte es der Franz gesagt, und alle hätten gelacht. Aber es stimmt. Fünf Verteidiger und davor die anderen als zweite Defensivreihe. So stellen sich die Ungarn hinten rein. Da kommen doch Kimmich und Gosens nicht durch, wie sollen die denn die Spitzen bedienen! Dieser doofe erste Treffer der Ungarn. Herrje. Natürlich kann so was passieren. Natürlich stimmte die Zuordnung nicht. Aber das Problem war doch, dass wir den Ungarn unser Spiel nicht aufdrücken konnten. Dass die gar nicht erst rauskommen! Warum klappt das gegen Portugal, warum nicht gegen Ungarn? Nach der EM mal mit Jogi drüber reden. Mich interessiert auch, was der Gerland dazu sagt. Der hat ja schon viel erlebt.

Wir brauchen zwei Müllers, zwei Sanés. Mindestens.

Donnerstag, 25. Juni

„Löws Entscheidungen geben Rätsel auf“, schreibt Carlo Wild im Kicker. Aber das stimmt doch nicht! Man sieht doch nur, dass wir personell doch nicht sooo toll aufgestellt sind: Fällt Müller aus, merkt man das. Leroy ist super, aber eben anders. Wir brauchen zwei Müllers, zwei Sanés. Mindestens. Und ein Jérôme sorgt hinten für Ruhe. Mit dem wär das schnelle 1:2 nach Wiederanpfiff nicht gefallen.

Freitag, 26. Juni

Beim Duschen ist mir erst aufgefallen: Ich muss meinen Job ja noch gar nicht antreten. So sehr identifiziere ich mich jetzt schon mit der Mannschaft, dass ich das nicht bemerkt hab. Lustig. Nach der EM werde ich wohl merken, dass ich dann der Jogi bin.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de