Handelskammer-Rebellion steckt an

Kammer mit Grüppchenbildung

Nach den Kammer-Rebellen schließen sich weitere Mitglieder der Handelskammer zu Listen für die Plenumswahl zusammen. Es gibt auch mehr Kandidaten

Will „alle nach vorn bringen“: Ex-Trainer und Kaufmann Holger Stanislawski Foto: Christian Charisius/dpa

Die Handelskammer-Rebellen vom Bündnis „Die Kammer sind wir!“ haben Gesellschaft bekommen: Im nächsten Jahr treten zur Wahl des Plenums erstmals verschiedene Listen an. Bis zum Auftreten von „Die Kammer sind Wir!“ hatte es nur Einzelkandidaten gegeben. Entsprechend geschlossen ist die Handelskammer, die sich regelmäßig als gewichtige Stimme zu politischen Themen äußert, nach außen hin aufgetreten. Für eine der neuen Listen hat sich Holger Stanislawski, der ehemalige Trainer des FC St. Pauli, aufstellen lassen. Er betreibt heute einen Supermarkt.

Wie die Handelskammer mitteilte, hat der Wahlausschuss 133 Kandidaten für die 58 zu vergebenden Sitze zugelassen – 26 Frauen und 107 Männer, darunter ein halbes Dutzend Migranten. Beim vorigen Mal waren es nur 97 Kandidaten. Die große Zahl der Bewerber zeige, „wie groß die Identifikation der Unternehmen mit der Selbstverwaltung in Form der Kammer“ sei, kommentierte Präses Fritz Horst Melsheimer.

Die meisten Kandidaten – 57 an der Zahl – das Bündnis „Die Kammer sind Wir!“ aufgestellt, das die Zwangsbeiträge für die Kammer abschaffen möchte. Es stellt bereits jetzt zwölf Mitglieder im Plenum und hat erreicht, dass das sagenhafte Gehalt des Hauptgeschäftsführers Hans-Jörg Schmidt-Trenz veröffentlicht wurde.

27 Kandidaten stellt das Bündnis „Machen statt reden – Unternehmer für Hamburg“, zu dem auch Stanislawski gehört. Er versuche, „nicht nur zu sagen, was schlecht ist“, antwortete der Ex-St.-Paulianer auf die Frage, warum er nicht bei den Kammerrebellen mitmache.

Seine Mit-Kandidatin Manou B. Tikrani hält es für falsch, dass die Kammerrebellen die Pflichtbeiträge abschaffen wollen. „Wir haben die Sorge, dass viele sagen würden: Ich spar’mir das Geld“, sagt Tikrani. Das würde zu einem Übergewicht der großen Firmen führen, prognostiziert sie, so dass die Interessen der vielen kleinen nicht mehr angemessen repräsentiert wären. Den ganz kleinen Firmen, die gar keine Beiträge bezahlen, möchte Tikrani freistellen, die Kammer zu verlassen.

Den Kammerrebellen wirft sie vor, sich zu viel mit Formalien zu befassen. Ihr Bündnis tritt für mehr Digitalisierung ein, will Kammer-Veranstaltungen auf ihren spezifischen Mehrwert prüfen und Journalisten bei Plenumssitzungen zulassen.

Das dritte Bündnis „Starke Kammer. Vorfahrt für Hamburg“ tritt am konservativsten auf. Es verfolgt klassische Ziele wie den Ausbau der Infrastruktur, den Schutz von Gewerbegebieten und legt Wert auf eine professionell geführte Kammer.

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