Handballstar gibt sich als Flüchtling aus: Flucht-Story als Werbemittel

„Abdoudiouf1993“ begleitet seine Flucht nach Europa auf Instagram, Medien berichten. Dann kommt heraus: Alles ist gestellt. Und: Es ist Werbung.

Ein Mann im Vordergrund, zwei sich umarmende Männer im Hintergrund an einem Strand.

Mit Fotos wie diesem hat der spanische Handballstar Hagi Toure britische Medien getäuscht. Screenshot: instagram.com/abdoudiouf1993

Täglich erreichen uns Meldungen über Flüchtlinge und ihren Leidensweg, die es bis ins sichere Europa schaffen wollen. Vielleicht ist das der Grund, warum manche Medien nicht mehr kritisch mit der Thematik umgehen, oder liegt das einfach an unserer „großen“ Anteilnahme an deren Schicksal? Da kann es nämlich auch einem großen Medienhaus passieren, dass es einer Werbeagentur auf den Leim geht.

Eine spanische Agentur hatte die Idee, einen Instagram-Account für einen angeblichen „abdoudiouf1993“ anzulegen. Der junge Afrikaner dokumentierte eine Woche lang über Fotos und Hashtags (wie #instamood und #foodporn – komisch, oder?) seinen mühsamen Weg nach Europa. Doch dann kam heraus: Alles nur ein Fake, eine Werbeaktion für eine Fotoausstellung in Barcelona. Hinter „abdoudiouf1993“ steckt in Wahrheit der spanische Handballstar Hagi Toure.

Die britische Ausgabe der Huffington Post (später auch die deutsche Ausgabe) hat die Geschichte ernst genommen und dem jungen „Flüchtling“ einen Beitrag gewidmet. Schnell wurde der Beitrag von vielen Lesern repostet oder retweetet. Keiner hat sich darüber gewundert, dass der Account von „abdoudiouf1993“ erst mit der vermeintlichen Flucht gestartet wurde oder dass es sich bei dem Namen um den senegalesischen „Thomas Müller“ handelt.

Die Geschichte um Abdoudioufs angebliche Flucht ist einmal mehr ein Beispiel für die Macht der Klickzahlen. Bei vielen Onlinemedien scheinen die mittlerweile wichtiger als journalistische Gründlichkeit oder kritisches Denken. Da wird dann eben auch mal akzeptiert, dass sich eine Geschichte als falsch herausstellt. Hauptsache, sie klickt sich gut.

Erst gestern hat die spanische Zeitung El País die wahre Story hinter dem angeblichen Happy End des Ammenmärchens entdeckt. Man darf nun mal nicht alles glauben, was man liest – oder was Tausende im Internet teilen. Klickzahlen sind kein Glaubwürdigkeitsgarant.

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