Hamburg droht der Verlust eines weiteren Profisportteams

Die Kupfer-Medaille

Die Kupferhütte Aurubis hat keine Lust mehr, die Hamburger Bundesliga-Volleyballerinnnen zu finanzieren. Und Ersatz ist nicht in Sicht.

Schmerzhaft: der Bänderriss von Karine Muijlwijk, aber auch das drohende Aus des Klubs. Foto: Peter Blick/ Imago

HAMBURG taz | Als hätte er kurz nicht aufgepasst, erlaubt sich Horst Lüders eine Erinnerung. „Ich werde 72 Jahre alt im Mai, dann werden es 25 Jahre Volleyball hier gewesen sein, gute Jahre mit viel Stress und viel Ärger, aber auch mit viel Freude und Zufriedenheit“, sagt der Präsident des Frauen-Volleyball-Bundesligisten VT Aurubis Hamburg. „Was soll ich in meinem Alter noch darüber sprechen? Natürlich war da ganz viel Herzblut dabei.“ Und dann fügt er trotzig hinzu: „Ich habe immer noch im Kopf, dass wir es schaffen.“

„Es“ – das wäre das „Wunder von der Süderelbe“. Die Lage ist sehr ernst. Nur noch sieben Wochen bleiben, dann wird feststehen, ob der traditionsreiche Verein noch eine Zukunft im Profisport besitzt. Hamburg droht nur wenige Wochen nach der Insolvenz des Handball-Bundesligisten HSV Hamburg der nächste Niedergang eines Spitzensport-Klubs.

Für die laufende Saison ist der Etat mit 550.000 Euro angesetzt. Der Anteil des Namenssponsors Aurubis, eines Kupferkonzerns, beläuft sich auf 450.000 Euro. Nach dieser Serie steigt der Großsponsor aus – das ist seit knapp zwei Jahren bekannt. Das Problem: Lüders und seinem Präsidenten-Kollegen Volker Stuhrmann ist es bisher nicht gelungen, die sich abzeichnende Lücke im Budget durch Akquise von Sponsoren auszufüllen. Es lebt sich nicht leicht für Sportarten im Schatten des Fußballs.

Es fehlt eine halbe Million

Drei Szenarien gebe es, sagt Lüders. „Das erste ist, dass wir in der Bundesliga bleiben. Wir müssen für die Serie 2016/17 gerne auf 750.000 Euro kommen, um eine gute Substanz zu haben. Uns fehlen da etwa 500.000 Euro.“ Das zweite Szenario sei eine Zukunft in der Zweiten Liga. Kostenpunkt laut Lüders 150.000 Euro: „Da müssten wir unsere jetzigen Partner fragen, ob sie dann bleiben. Der dritte Fall wäre die Nichtmeldung für Bundesliga und Zweite Liga. „Dann würden wir die Geschäfte der GmbH abwickeln. Unter dem Namen TV Fischbek wäre es dann reiner Freizeitsport, eventuell in der Regionalliga.“

Die unbefristeten Verträge und Wohnungen der Spielerinnen wurden schon gekündigt. Das sei „pro forma“ gemacht worden, so Lüders, um für das Eintreten des dritten Szenarios, der Nichtmeldung, gerüstet zu sein. „Ich glaube noch immer, dass am wahrscheinlichsten eine Zukunft in der Bundesliga ist“, sagt Lüders. „Wir haben Signale aus der Wirtschaft bekommen. Eine Sache ist schon sehr konkret, zudem gibt es noch einige Kontakte.“ Mehr will er dazu nicht sagen.

Auch die Stadt helfe nach Kräften, versichert Hamburgs Sport-Staatsrat Christoph Holstein. „Geld können wir aber nicht geben. Wir dürfen den Profisport gar nicht fördern“, sagt Holstein. Das gehe aus Gründen des EU-Rechts nicht Es ergäbe sich ansonsten ein Wettbewerbsvorteil. „Wir können aber versuchen, für den Verein bei der Wirtschaft Türen zu öffnen, Kontakte herzustellen.“ Für die Sportstadt Hamburg „wäre es nicht gut, es wäre tragisch“, sollte das Ende für einen weiteren Profiverein kommen. „Es wäre ja zweimal so, dass es Vereine träfe, die sportlich erfolgreich waren.“ Stimmt: Die Volleyballerinnen belegen Platz neun in der Bundesliga, gewannen zuletzt bei Serienmeister Schwerin und Pokalsieger Stuttgart.

Und dann auch noch Pech

Doch nun hat auch noch die beste Spielerin, die niederländische Kapitänin Karine Muijlwijk, beim 1:3 beim Meister Dresdner SC schwer einen Bänderiss erlitten und muss vier bis sechs Wochen pausieren. Ohne sie gab es gestern im Heimspiel gegen Straubing ein 3:1. Nur wenn VT die Pre-Play-offs erreicht, könnte Muijlwijk noch zu Einsätzen kommen.

Auf die Zukunft des Vereins blickt die 27-Jährige – anders als Lüders – skeptisch. „Eigentlich habe ich keine Hoffnung mehr“, sagt Muijlwijk. „Klar, man denkt schon mal, vielleicht kommt noch ein Sponsor. Im Verein geben sie sich auch alle Mühe, aber es ist sehr schwierig. Es geht ja auch um einen größeren Betrag.“

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