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Heike Holdinghausen zum StrohhalmverbotGuter Ökopopulismus

Das Verbot von Strohhalmen wird unseren Alltag nicht umkrempeln. Wenn eine Nachrichtenagentur dichtet, „Weihnachtsmärkte, Grillpartys oder Schulfeste“ würden künftig ganz anders aussehen, ist das übertrieben. Auf den vielen Festen, die jetzt schon mit Pfandbechern und ohne Plastegabeln gefeiert werden, kann man beobachten: So anders ist das Leben ohne Wegwerfzeugs nicht. Andererseits wird sein Verbot auch nicht die Welt retten. Einwegplastik ist nicht schön. Klimawandel, Artensterben und Bodenerosion sind gefährlicher.

Man könnte die Aufmerksamkeit, die das Strohalmverbot erfährt, also für unangemessen halten. Das ist es aber nicht. Es war ein kluger Schachzug der EU-Institutionen, vor den Europawahlen im Mai Handlungsfähigkeit bei einem Thema zu beweisen, das viele Bürger umtreibt. Wale, die mit Bäuchen voller Plastik verhungert sind, Schildkröten mit Strohhalmen in der Nase, Müllstrudel im Pazifik – diese Nachrichten und Bilder haben zwar mit Einwegplastik in Europa wenig zu tun. Nur wenige Länder verursachen den überwältigenden Teil des Meeresmülls. Wer ihn bekämpfen will, leistet Entwicklungshilfe und Technologietransfer nach Indonesien und Viet­nam und stoppt Mülltransporte nach Malaysia. Aber die Bilder schüren Emotionen hierzulande und also das Bedürfnis, hier etwas zu tun. Diese Gefühlslage haben Kommission, Rat und Parlament nun aufgegriffen.

Das ist Ökopopulismus: Politiker reduzieren ein komplexes Problem und lösen es kernig. Wäre das alles, wäre das katastrophal. Ist es aber nicht. Die EU-Institutionen machen ernst bei CO2-Emissionen im Verkehr. Sie feilen an der Ökodesignrichtlinie und betreiben dort Müllvermeidung. Natürlich ginge immer mehr; aber ohne Europa ginge – zumindest in Deutschland – häufig viel weniger. Wenn der Brüsseler Populismus dazu führt, dass die Bürger die Union als handlungsfähig wahrnehmen und die EU, gestärkt durch konstruktive Parteien im Parlament, den Ressourcenschutz in Europa weiterhin betreiben kann – dann müssen die Strohhalme eben dran glauben.

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