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KOMMENTARGerettet

■ Innensenator übernimmt Verantwortung für Erfolg

Zwei Wochen ist ein Junge unter barbarischen Umständen gefangen gehalten worden. Seinen achten Geburtstag mußte der kleine Dennis gefesselt und geknebelt in einer Holzkiste erleben. Jetzt ist er frei. Gottseidank.

Ein Erfolg der Polizei. Ein Erfolg einer Strategie, die jederzeit das Leben des Kindes höher stellte als eine läppische Million und polizeilichen Fahndungsehrgeiz. Als der bewaffnete Kidnapper eine Geisel nahm, zogen sich alle Einsatzkräfte zurück: Der Erpresser sollte sich sicher fühlen, seine Geisel ohne Polizeieinsatz freilassen. Auch diese Strategie war erfolgreich. An die Spitze des Erfolges stellte sich gestern Innensenator Bernd Meyer. Auf einer Pressekonferenz mit Journalisten aus der ganzen Bundesrepublik ließ Meyer es sich nicht nehmen, die gute Nachricht selbst zu überbringen. Der Mann hat Erfolg nötig.

Allerdings: Wer so gern die politische Verantwortung für polizeiliche Erfolge übernimmt, muß sich auf deren Niederlagen und Fehler zurechnen lassen. Der schreckliche Ausgang des Bremer Geiseldrama ist auch nach Dennis' glücklicher Befreiung noch nicht vergessen.

Klaus Schloesser

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