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Geordneter Rückzug aus Hamm

THTR-Betreiber wollen Prototyp-Reaktor leerfahren und stillegen / Riesenhuber erwägt, auf technische Nachrüstungsforderungen zu verzichten / Stillegung kostet mindestens 400 Millionen Mark  ■  Von Gerd Rosenkranz

Berlin (taz) - Der Hochtemperaturreaktor THTR 300 in Hamm -Uentrop, einziges Demonstrationsprojekt der sogenannten „Reaktorlinie der Zukunft“, hat seine Zukunft bereits hinter sich. Am gestrigen Mittwochnachmittag erklärten die Betreiber nach einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung, man könne sich „eine geordnete Beendigung des Entwicklungsprojekts THTR 300 nach Verbrauch des Brennelementvorrats in den nächsten Jahren vorstellen“. Damit reagierten die Betreiber, die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) und einige regionale Stromversorgungsunternehmen, auf die Abneigung von Bund und Land Nordrhein-Westfalen, das technische und finanzielle Debakel THTR 300 mit zusätzlichen 650 Millionen Mark zu belohnen. Die Landesregierung hatte bereits vor Weihnachten entschieden, keine zusätzlichen Verpflichungen zu übernehmen. Bundesforschungsminister Riesenhuber will „allenfalls noch sehr begrenzt beitragen“.

Auch nach einer „geordneten Beendigung“ des Projekts wären die Probleme keinesfalls gelöst. Allein die Stillegung und Beseitigung kosten nach Angaben der Betreiber über 400 Millionen Mark. Kopfschütteln rief die Behauptung der THTR -Betreiber hervor, der Reaktor habe sich „als Stromerzeuger bewährt und die Vorteilhaftigkeit des Systems bewiesen“.

Der Sprecher des Bundesforschungsministeriums, Rainer Jansen, bewertete die Betreibererklärung als „korrekt“. Ob überhaupt weiterbetrieben werden könne, sei wegen der 35 abgerissenen Bolzen in den Heizgaskanälen des Reaktors allerdings noch nicht entschieden. Die Entscheidung liege in Düsseldorf. Indirekt stellte Jansen für den Fall eines nur noch kurzfristigen Betriebs der Anlage den Verzicht auf bestimmte von Bund und Land bisher geforderte technische Nachrüstmaßnahmen am THTR in Aussicht. Die Nachbesserungen waren den Betreibern nach getrennten Sicherheitsüberprüfungen von Bund und Land zur Auflage gemacht worden. Es sei denkbar, daß manche dieser Forderungen bei einem zeitlich sehr begrenzten Betrieb hinfällig würden, meinte Jansen.

Skeptisch gegenüber der jetzt ins Auge gefaßten „geordneten Beendigung“ äußerte sich gestern die Genehmigungsbehörde, das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium. Niemand könne gegenwärtig sagen, wann und ob der Reaktor überhaupt wieder in Betrieb gehen könne, meinte Ministeriumssprecher Ewald Schulte. Über das Problem der abgebrochenen Bolzen hinaus, seien auch die für die Betreiber kostspieligen Nachrüstungsforderungen von Bund und Land bislang nicht erfüllt. Da sei es „ein bißchen kurz gedacht“, wenn man in Hamm nun glaube, den Reaktor einfach wieder anfahren zu können, „weil da noch ein paar Kohlen im Keller liegen“.

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