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■ Mit Wirtschaftsprüfern auf du und duGeld macht blind

Berlin (taz) – Billig sind sie nicht, und sie legen Wert auf einen tadellosen Ruf. 180 bis 200 Mark pro Stunde kostet die Arbeit eines Wirtschaftsprüfers, sagt Johannes Maret, Geschäftsführer der Firma Arthur Andersen. Ein edler Name, womöglich noch edler als Price Waterhouse. Über diese Konkurrenz wollte der Vertreter des Branchenführers in Deutschland jedoch nicht sprechen, als er am Montag die Presse zum Gespräch lud. Price Waterhouse muß mit einer Klage von geprellten Gläubigern rechnen. Die Prüfer dieser klangvollen Firma hatten sowohl den Sportbodenhersteller Balsam wie auch dessen Finanzmakler Procedo unter Vertrag. Aber nirgendwo, weder beim einen noch beim anderen Kunden, waren ihnen jemals die frei erfundenen Buchungen aufgefallen, die beide Unternehmen in die Pleite rissen. Eine Gläubigerkonferenz hat am Dienstag darüber diskutiert, ob Price Waterhouse dafür regreßpflichtig gemacht werden könne. Ein Rechtsgutachten stellt jedem einzelnen der in diesem Fall engagierten Mitarbeiter fünf Millionen Mark in Rechnung.

Einer von ihnen, Wirtschaftsprüfer Rolf Muscat nämlich, könnte gewisse Schwierigkeiten verspüren, diese Forderung zu erfüllen – sollte sie denn von einem Gericht anerkannt werden. Er sitzt schon im Gefängnis, und zwar wegen mutmaßlich aktiver Beteiligung an Balsams Bilanzfälschungen.

Doch eben davon wollte Johannes Maret nicht sprechen. Er mag auch das Wort „Hakelmacher“ nicht, das inzwischen kursiert. Es treffe den Sachverhalt keineswegs. Maret hat vielmehr eine „gewisse Aufweichung der Geschäftsmoral“ in der deutschen Wirtschaft beobachtet, die das „Prüfungsrisiko“ enorm in die Höhe treibe.

Es läßt sich mildern. Wirtschaftsprüfer sind bisher bis zu einer halben Million Mark gegen Kunstfehler versichert, Maret glaubt, daß diese Haftungsgrenze deutlich erhöht werden sollte. Auch die zwei Millionen, die in der Branche vorgeschlagen wurden, seien noch „nicht befriedigend“. Fünf Millionen dürften der procedoralen Realität tatsächlich näherkommen.

Alle anderen Kontrollen der Kontrolleure, Doppelprüfungen, wie in Frankreich üblich, oder Rotation der Mitarbeiter zum Beispiel, hält Maret für vollkommen überflüssig. Niklaus Hablützel

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