Geheime Webcams am IFA-Stand der Telekom: Ranzoomen an die Hostessen
Die Telekom überträgt das Geschehen von ihrem IFA-Messestand live ins Internet - die gefilmten Mitarbeiter wussten angeblich nichts davon.
BERLIN taz Die Telekom präsentiert sich gern als innovatives Unternehmen. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA), die am Mittwoch in Berlin zu Ende geht, ist der magentafarbene Konzern Stammgast. Aber nicht nur das: Die Telekom ließ in diesem Jahr auch die Internetgemeinde an ihrem Messeauftritt teilhaben - per Webcam.
Interessierte konnten jederzeit mitverfolgen, was sich an den beiden Ständen des Konzerns tat. Der Nutzer am heimischen Computer durfte sogar Kameramann spielen, das Bild schwenken und an einzelne Personen heranzoomen - bei großem Andrang mussten sie um die Kamerabedienung anstehen. Besonders spektakuläre Bilder waren durch dieses Spielchen zwar nicht zu gewinnen: Schnöde Stehtische sieht man, Hostessen im Gespräch mit einigen Messebesuchern und noch viel mehr Messebesucher, die flüchtig durchs Bild eilen.
Umso heikler ist allerdings, was eine Promoterin jetzt der taz berichtete. Demnach wussten die Mitarbeiter vor Ort offenbar nichts von der Liveübertragung ihrer Arbeit ins Netz. Nur per Zufall habe ein Promoter davon erfahren - weil ein Bekannter ihn beim Surfer im Internet erkannte. Von den Verantwortlichen habe es dagegen keine Informationen über die beiden Webcams gegeben.
"Ein Kollege meinte nur zu mir, ich müsse aufpassen, ich werde gefilmt", berichtet die Promoterin. Scherzhaft habe er dann auf die Deckenkamera gewiesen. Inzwischen ist auch der Betriebsrat über den Fall informiert und bemüht sich um eine Klärung. Der Datenschutzbeauftragte des Konzerns prüft den Fall. Am Mittwoch war der Link zu den Livebildern daher bereits abgeschaltet.
Für das Personal am Telekom-Stand ist die Hamburger Agentur Stein Promotions zuständig. Die Agentur hat nach eigenen Angaben nichts von den Kameras gewusst und daher auch das Messepersonal bei der Anstellung nicht informieren können. Ein Mitarbeiter der Agentur verweist darauf, dass neben dem eigenen Personal auch ständig Verantwortliche der Telekom vor Ort gewesen sein, die über den eigenwilligen Marketing-Gag des Konzerns hätten informieren können.
Die Telekom selbst bestreitet den Vorwurf, nicht ausreichend über die Kameras informiert zu haben. Vor dem Einsatz seien die Messekräfte geschult und mündlich auf die Internetübertragung hingewiesen worden, sagte ein Sprecher der taz. Die Erklärung für die Schulungspanne: Bei der Promoterin habe es sich um eine kurzfristige Vertretung gehandelt, die nicht an der Schulung teilgenommen hatte. "In der Eile ist das dann möglicherweise nicht mehr ganz transparent geworden", so der Konzernsprecher. Allerdings sei ein Messeauftritt für die Mitarbeiter am Stand ohnhin "quasi öffentlich".
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