: „Gegen den Wohlstandschauvinismus“
■ Was „Lokale Initiativen“ im Norden für die Dritte Welt tun können, beraten 400 Experten im Haus der Kulturen der Welt
Berlin. Was die Kommunen für die Zukunft der Welt tun können, beschäftigt bis Samstag über 400 TeilnehmerInnen aus Nord und Süd im Haus der Kulturen: Von der Auswertung der Zusammenarbeit mit Nicaragua bis zur lokalen Umsetzung der „Agenda 21“ der Rio-Konferenz reicht die Themenpalette.
„Wir brauchen die Gemeinden im Norden auch, damit sie auf ihre Regierungen Druck ausüben“, beschreibt Pakistans UN-Botschafter Marker die Hoffnung vieler aus dem Süden angereister TeilnehmerInnen. Das Beispiel Holland scheint zu zeigen, daß diese Idee auch funktionieren kann, meint Gunther Hilliges, deutsches Mitglied im Vorstand der „Towns- and-Development“-Organisation: „In Holland hat mittlerweile jede zweite Stadt mehrere Haushaltstitel für eigene Nord-Süd-Politik, und das wirkt auch auf die Regierung, die als einzige in Europa derzeit den Etat für Nord-Süd-Fragen erhöht hat.“ In der Bundesrepublik gibt es bislang fast 600 Städte und Gemeinden, die entwicklungspolitische Aktivitäten entfaltet haben. „Leider“, so Hilliges, „macht sich hier derzeit ein Wohlstandschauvinismus und Festungsdenken breit.“ Doch gerade angesichts der Asyldebatte sei es notwendig, die Gemeinden in globale Problemstellungen einzubeziehen.
Die Kampagne, die „Towns and Development“ seit 1985 losgetreten hat, zeigt Erfolge. Die englische Vorsitzende Jane Knight: „Berlin wird ein neuer Höhepunkt sein, denn hier kommen die Ergebnisse zusammen, die wir mit der Kooperation von Nichtregierungsorganisationen und offiziellen Gemeindevertretungen in den letzten sieben Jahren erreicht haben.“ Es bleibt abzuwarten, ob die hohen Ansprüche der Konferenz in der Praxis Bestand haben. Immerhin: Was noch unlängst nur linke KritikerInnen der offiziellen Entwicklungspolitik sagten, formulierte gestern Wirtschaftssenator Meisner (SPD) in der Begrüßung: „Entwicklungspolitik beginnt hier bei uns.“ Das ist wohl auch nötig: Noch wenige Tage zuvor fragten TeilnehmerInnen aus dem Süden besorgt an, ob sie in Berlin vor rassistischen Übergriffen sicher seien. Bernd Pickert
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