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Gefangene protestieren

■ Postunterschlagung beim 'Lichtblick‘ / Hungerstreik auf der Dealer-Station / Gefangener Pottrick bekommt keinen Ausgang zu Bildungsveranstaltung

Den Vorwurf der Postunterschlagung hat jetzt die Redaktion der Tegeler Gefangenzeitung 'Lichtblick‘ gegen die Anstaltsleitung des Tegler Knasts erhoben. Wie der Außenredakteur des 'Lichtblick‘, Gähner, der taz mitteilte, wurde von der Haftanstalt ein an den 'Lichtblick‘ gerichteter Brief abgefangen. Die Redaktion habe nur durch einen Zufall davon erfahren und bis heute keine offzielle Mitteilung über den Verbleib des Briefes. Gähner kündigte eine Strafanzeige der Redaktion gegen die Anstaltsleitung an. Justizsprecher Christoffel bestätigte auf Nachfrage, daß der Brief „angehalten“ wurde, weil er eine Hungerstreikererklärung zum Inhalt habe: „Das faßt die Anstalt als Verstoß gegen die Sicherheit und Ordnung auf, weil dadurch eine mögliche Verbreiterung des Hungerstreiks und eine Solidarisierung ausgelöst werden könnte.“ Der „Lichtblick“ bekäme nach Abschluß der „Formalien“ über den Verbleib des Briefes. Der der taz in Kopie vorliegende Brief hat die Hungerstreikerklärung einer elfköpfigen Gefangenengruppe „grüner April“ zum Inhalt, die in der vergangenen Woche im Tegler Haus VI mit einer Nahrungsverweigerung bessere Haftbedingungen gefordert hatte.

Am Dienstag sind elf von 13 Insassen der kurz Dealerstation genannten Drogenabschirmstation im Tegler Haus I in einen unbefistenen Hungerstreik getreten. Sie fordern die Rücknahme der nach der Großrazzia im Febraur verschärften Sicherheitsverordnungen und ihre Rückverlegung in das Haus II. Christoffel bestätigte, daß die Fläche ihrer Zellen jetzt nur 5,2 Quadratmeter umfasse, sie werden aus Sicherheitsgründen aber dennoch in dem ansonsten unbelegten Haus I bleiben.

In den unbefristeten Hungerstreik trat gestern auch der durch sein Engagement für ausländische Mitgefangene bekanntgewordenen Tegler Insasse Bernd Pottrick. Pottrick wurde von der Anstalt die Teilnahme an einem zweitätigen Seminar des evangelischem Bildungswerks vom 14. bis 16. April über das letzte Buch von Ingeborg Drewitz verwehrt. Daß Pottrick nach acht Jahren verbüßter Haft - von insgesamt neun - keinen Urlaub für die Tagung bekommen soll, begründete Christoffel mit der „außerordentlich schwierigen Persönlichkeit“ des Gefangenen. Sein Vollzugsplan sehe vor, daß er ab Sommer „stundenweise“ Ausgang zur Teilnahme an einer Therapiegruppe bekomme.

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