■ Kommentar: Gefährlich für wen?
KOMMENTAR
Gefährlich für wen?
Da sagt es nun jemand ganz offen: Lesben sind für ihn eine „Gefahr“, vor der es junge Normalbürgerinnen zu schützen gilt. Für einen älteren Mann vielleicht eine ehrliche aber dumme Äußerung. Es muß ja nicht jeder so tun, als ob ihm knutschende Frauenpärchen vertraut sind, wenn dem nicht so ist. Doch Friedel Gütt ist nicht irgend ein älterer Herr. Er ist Präsident des Hamburger Sport-Bundes und hat als solcher viel zu sagen und zu verantworten. Ob die Organisation einer dritten Frauensportwoche verschleppt wird oder nicht, zum Beispiel. Ob die Frauensport- Frauen wieder ein Fest unter sich feiern dürfen oder nicht. Und da mag es sein, daß die „Vorwürfe“ stimmen, daß sich an jenem Abend tatsächlich viele lesbische Pärchen auf dem Fest befanden. Na und? Mindestens jede vierte Frau hat in ihrem Leben mindestens einmal Sex mit einer Frau. Homosexualität unter Frauen ist nichts, wofür sich irgendwelche Veranstalterinnen irgedwo vor irgendwem rechtfertigen müssen. Und es ist das gute Recht dieser Personengruppe, auf einer öffentlichen Veranstaltung zu 20st, zu 30st oder zu hunderten aufzutreten oder sie sogar ganz und gar zu dominieren. Die Gefahr, Herr Gütt, ist, daß andere jetzt wieder ihre Schere im Kopf haben und denken, es sei tatsächlich etwas Schlimmes, etwas, das es zu verbergen gilt. Friedel Gütt hat mit seinen Äußerungen eine nicht gerade kleine Minderheit in dieser Stadt gekränkt, beleidigt, diskriminiert. Und er hat mit seiner Äußerung, Mädchen seien so erzogen, daß sie mit sexueller Anmache besser umgehen könnten als Jungs, bewiesen, daß er für einen Dachverband, der eine Mädchen- und Frauensportwoche organisiert, nicht der richtige Präsident ist. Kaija Kutter
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