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Gedämpfter Lichtblick

■ Ein Redaktionswechsel bei der Gefangenenzeitschrift 'Lichtblick‘ diente der Justizverwaltung als Vorwand, das Redaktionstelefon zu kontrollieren

Bei der Tegeler Gefangenenzeitung 'Lichtblick‘ hat es nach viereinhalb Jahren einmal wieder einen Wechsel des hauptamtlichen Redakteurs gegeben. Weil der bislang Verantwortliche der Zeitung, der Gefangene Gähner, am 1. Juli in den offenen Vollzug verlegt worden ist, wird der bisherige Layouter, der Gefangene Henrion, mit der kommenden Ausgabe für das Blatt verantworlich zeichnen. Der Gefangene Wolf, jetzt gleichfalls hauptamtlicher Redakteur, wurde zu Henrions Stellvertreter ernannt.

Der Wechsel in der Redaktionsgemeinschaft diente der Justizverwaltung als Vorwand, Zugriff auf das Telefon des 'Lichtblick‘ zu nehmen. Konnte die Redaktion bisher von außen direkt angewählt werden, soll nach dem Umbau der Anlage nunmehr ein Beamter vorgeschaltet werden, der den Anrufer auf Namen und Anliegen überprüfen wird. Justizsprecher Kähne begründete die Maßnahme damit, daß zu der neuen Redaktionsgemeinschaft „noch kein Vertrauensverhältnis“ bestünde. Der bisherige verantwortliche Redakteur Gähner glaubt jedoch, daß sich die Herren im Senat nur eines Vorwands bedienten, weil ihnen das Telefon „schon lange gestunken hat“.

Die Begründung „mangelndes Vertauensverhältnis“ ist Gähner zufolge absurd, weil Henrion schon viereinhalb Jahre als Layouter beim 'Lichtblick‘ tätig ist, und auch Wolf sei schon sechs Monate dabei. Als eigentlichen Grund vermutete Gähner vielmehr, daß die Öffentlichkeit vom Justizvollzug ferngehalten werden solle. Das Tefelon sei für die journalistische Arbeit jedoch unabdingbar.

Das Titelbild der letzten und derzeit noch in Umlauf befindlichen 'Lichtblick‘ Ausgabe, das noch unter Gähners Regie erstellt worden war, ist beim Verband der Justizbeamten auf heftige Proteste gestoßen. Der Beamtenstand fühlt sich von dem Bild, das eine Schraubzwinge zeigt, mit der zwei Gefangenen von zwei Beamten zusammengepreßt werden, beleidigt. Die Folge war eine Abmahnung der Redaktion von seiten der Anstaltsleitung, die mit der Aufforderung einherging, sich beim Beamtenstand zu entschuldigen. Gähner erklärte gegenüber der taz, daß er dies nicht tun werde: Er habe keinen Beamten beleidigt, und einen ganzen Stand schon gar nicht.

plu

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