: Freier sucht Sucht
Von der Bildfläche sind sie dank van Nispens Polizeitruppen weitgehend verschwunden, aus der Welt sind sie dennoch nicht. Sie werden immer mehr, immer jünger, immer kränker. Aber das wird zunehmend ihr Problem — den Schuh ziehen sich diejenigen, die sie ins Abseits drängen, nicht an.
Für 25 Mark verkaufen sie ihren Körper, vierzig Frauen tun es täglich, wie oft — keiner weiß es. Daß sie es können, wird durch die Nachfrage der Männer bestimmt. Derjenigen, die ungenannt, unerkannt und von Strafe verschont bleiben. Kriminalisiert, verfolgt und für die Verbreitung von Aids verantwortlich gemacht werden im Gegenteil die kranken Frauen. Allein um 800 Mark Bußgeld zu „erwirtschaften“, muß eine Frau sich 32 mal besteigen lassen, ohne damit auch nur 1 Gramm Heroin für ihre Sucht angeschafft zu haben. Falls sie das — trotz Drogen und Pillen — nur zweimal täglich aushält: Sie hätte den halben Monat umsonst geackert. Und auf dem Drogenstrich sind die Freier nicht die Feinsten: Hier geht es mehr um Macht als um Sexualität, Gewalt und abseitige Forderungen sind an der Tagesordnung.
Dabei bleibt ihnen keine andere Möglichkeit der Beschaffung: Aus der Kleindealerei haben die Männer sie verdrängt, Einbrüche liegen ihnen nicht. Birgitt Rambalski
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen