■ Olympische Verschwendung: Freibrief wider besserem Wissen
Große Projekte erfordern große Gesten, scheint man im Senat zu glauben. So kommt es, daß dort, wo von unverschämter Raffgier zu sprechen gewesen wäre, die politisch Verantwortlichen nur souveräne Weltläufigkeit ausmachten. Das war schon beim opulent ausgestatteten Vertrag des ersten Chefs der Olympia- GmbH, Grüttke, der Fall. Als dessen Kapriolen einen Wechsel unumgänglich machten, brachte Nachfolger Axel Nawrocki das Geldverschwendungskarussell erst recht in Schwung. Daß sein Vertrag mit großem Dienstwagen, Zusatzaltersversorgung und wöchentlichem Heimflug erster Klasse in umgekehrtem Verhältnis zu seiner Leistung stand, davon waren zum Schluß selbst vehemente Olympia-Befürworter im Senat überzeugt.
Der selbstherrliche Gestus, mit dem Nawrocki die Olympia GmbH leitete und dabei mehrfach selbst den Regierenden Bürgermeister Diepgen zum Nickhansel degradierte, macht zugleich deutlich, daß der Senat bei seiner politischen Kontrolle scheiterte. Wen wundert's da, daß nicht nur der Chef, sondern auch die Mitarbeiter die öffentliche Kasse als Melkkuh ansahen.
Die schnelle Absolution der Senatskanzlei anläßlich der „Reißwolf“-Affäre, Nawrocki habe nur unwichtige Unterlagen vernichten lassen, entlarvt sich jetzt als gezielte Desinformation. Die Senatskanzlei wußte es besser: Die Selbstbedienungsmentalität war ihr aus ihren Nachprüfungen längst bekannt. Dennoch wurde Nawrocki vom persönlich haftenden Aufsichtsvorsitzenden Diepgen als Geschäftsführer entlastet. Das macht aus der politischen Affäre einen Fall für den Staatsanwalt. Gerd Nowakowski
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