: Frankreich schottet sich von Algerien ab
■ Sondermaßnahmen in Vorbereitung
Paris/Marseille/Algier (AFP) – Frankreich verschärft aus Furcht vor Anschlägen die Sicherheitsmaßnahmen für den Flug- und Schiffsverkehr mit Algerien. Bis zum Inkrafttreten der Maßnahmen wurden der Flug- und Schiffahrtsverkehr für Passagiere ausgesetzt. Die Regierung traf die Entscheidung, nachdem ein Eingreifkommando der Gendarmerie auf dem Flughafen von Marseille den gekaperten Airbus gestürmt und die 170 Geiseln befreit hatte. Einzelheiten über die geplanten Sicherheitsmaßnahmen in den Flugzeugen und auf den Flughäfen wurden nicht bekannt. Wie verlautete, sollen möglicherweise bewaffnete Polizisten in Zivil künftig die Flüge begleiten. Grundlegende Änderungen in der Pariser Algerienpolitik sind nach Angaben von Außenminister Alain Juppé aber nicht zu erwarten.
Bei dem Sturm der Maschine auf dem Flughafen von Marseille waren die vier Luftpiraten – zuerst war von fünf die Rede gewesen – getötet worden. Acht Gendarmen wurden durch Schüsse verletzt, ein weiterer verlor bei der Explosion einer Blendgranate drei Finger. 16 Passagiere und Besatzungsmitglieder erlitten leichte Verletzungen. Ein Teil der Geiseln konnte bereits in der Nacht nach Paris weiterfliegen. Rund fünfzig verbrachten die Nacht in Flughafenhotels in Marseille und wurden am Dienstag noch von der Polizei vernommen. Mehrere berichteten, daß die Luftpiraten offenbar zum Äußersten entschlossen waren. „Wir wußten, daß sie Dynamit hatten und das Flugzeug sprengen wollten“, sagte der Berber-Sänger Ferhat Mehenni, der unter den Passagieren war. „Kurz vor der Erstürmung haben sie Koransuren gesungen. Sie wollten sich wohl Mut machen.“
Wie die Behörden in Marseille mitteilten, wurden in dem Airbus Dynamitladungen gefunden. Jeweils zehn Dynamitstäbe mit Zündern waren unter zwei Sitzen hinter der Pilotenkanzel und in der Mitte des Airbus versteckt. Nach einigen Berichten planten die Kidnapper, das Flugzeug im Himmel über Paris in die Luft zu sprengen.Kommentar Seite 10
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