piwik no script img

Fragen zum Kopfschuss

MEK-Einsatz

Der Kopfschuss aus der Waffe eines Hamburger Beamten des Mobilien Einsatzkommandos (MEK) bei einem Einsatz im mecklenburgischen Lutheran wird am Donnerstag den Innenausschuss des Schweriner Landtags beschäftigen. „Wir erwarten Aufklärung darüber, womit dieser Einsatz begründet war“, sagt Peter Ritter, Landtagsabgeordneter der Linkspartei. „Herrschte Gefahr im Verzug? Welche Ermittlungen gingen dem Einsatz voraus?“

Beim Versuch, die Hamburger Rotlicht-Größe Rico S. festzunehmen, der eine Haftstrafe nicht angetreten hatte, war es am vorigen Freitagabend zum Showdown gekommen. Zielfahnder des Hamburger Landeskriminalamts (LKA) wollten den abgetauchten Rico S. Tage zuvor in einem Dodge-Pick-up mit „Bullenramme“ – einer stark verstärkten Stoßstange – gesehen haben. Am Freitag keilten die MEK-Beamten „in Amtshilfe“ den Dodge blitzartig mit Zivilfahrzeugen ein, bevor ein Polizist dem 27-Jährigen Fahrer in den Kopf schoss. Die Insassen, so die Schweriner Mordkommission, waren unbewaffnet, Rico S. befand sich nicht in dem Pick-up. „Das waren Zufallsopfer, ein krasser Irrtum“, sagt Anwalt Benjamin Richter, der das Opfer ebenso vertritt wie Rico S. „Da ist schlampig ermittelt worden.“

Inzwischen erscheint der Schuss jedoch in einem etwas anderen Licht: Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat auch gegen das Opfer, das noch immer in Koma liegt, Ermittlungen eingeleitet – wegen „schweren Eingriffs in den Straßenverkehr“. Die Schäden an den Autos deuteten darauf hin, dass der Mann versucht habe, die Sperre aus zivilen Polizeifahrzeugen zu durchbrechen. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer sagte, laut Einsatzleiter seien Warnschüsse abgegeben worden. „Ob das der Realität entspricht, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.“ Die Verwechslung kommentierte Meyer lapidar mit den Worten: „Man war sich schon bewusst, dass das Fahrzeug auch von anderen benutzt wird.“

Bereits zwei Tage zuvor hatte es deswegen eine Panne gegeben: Beamte des mecklenburgischen Spezialeinsatzkommandos hatten in Plau am See einen Container gestürmt, der Arbeitern als Pausenraum diente. Der Grund sei gewesen, dass der Pick-up in der Nähe gestanden habe, erklärte eine Sprecherin des Schweriner LKA. PEMÜ

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen