piwik no script img

Fotosammlung von Günter ZintSt. Pauli-Museum macht dicht

Wegen der Coronapandemie und deshalb ausbleibender Besucher*innen schließt das Museum auf dem Hamburger Kiez. Dabei war es erst vor Kurzem umgezogen.

André Zuschlag

Aus Hamburg

André Zuschlag

Erst vor vier Monaten hatte das St. Pauli-Museum in neuen Räumen wieder geöffnet. Und erst zu Beginn des Monats hatte das Museum eine neue Foto-Ausstellung über den Stadtteil und seine Fassadenlandschaft beherbergt. Doch nun ist Schluss: Das Museum macht dicht, nachdem am Montag der Trägerverein des Museums seine Auflösung beschlossen hat. „Aufgrund der Coronapandemie gab es keine wirtschaftliche Grundlage mehr“, sagt Geschäftsführerin Julia Staron.

Dem Museum, das insbesondere die umfassende Fotosammlung des berühmten Kiezfotografen Günter Zint ausstellt, fehlten wie vielen anderen Institutionen der Kulturbranche durch die Pandemie die Einnahmen. Rund 100.000 Besucher*innen kamen bislang jedes Jahr ins St. Pauli-Museum. Öffentliche Förderungen erhielt das Museum in den vergangenen Jahren nicht. Einzig aus Eintrittsgeldern sowie Spenden und Kooperationen finanzierte der Trägerverein den Betrieb.

Doch ausreichend Besucher*innen, vor allem Tourist*innen, blieben zuletzt aus. Es hätten kaum Kooperationsveranstaltungen mit anderen Kultureinrichtungen durchgeführt werden können. „Unter diesen Voraussetzungen kann der Museumsbetrieb nicht aufrechterhalten werden“, sagt Staron.

Günter Zint, der das Museum gründete und dessen Entstehungsgeschichte bis in die 1980er-Jahre zurückgeht, zeigte sich nach der Entscheidung zur Auflösung des Vereins schmallippig. Eine Zukunft für seine Fotosammlung gebe es noch nicht.

„Die Geschichte wird nicht untergehen“

Dabei schien Ende letzten Jahres das Aus des Museums schon einmal festzustehen. Da flatterte für die damals noch angemieteten Räume in der Davidstraße eine Mieterhöhung ins Haus. Die Koalition im Bezirk Mitte aus SPD, CDU und FDP kündigte kurzerhand an, dem Museum 20.000 Euro zur Verfügung zu stellen, um wenigstens einige Monate weitermachen zu können und nach neuen Räumen zu suchen.

Im Juni, als die Pandemie schon in vollem Gang war, folgte der Umzug ans Nobistor in das Gebäude, in dem früher das Beatlemania-Museum war. „Schon der Umzug ist wegen der Coronapandemie schwer gewesen“, sagt Staron. Es war der sechste Umzug seit der Gründung Ende der 1980er.

Es dürfte wohl der letzte gewesen sein, auch wenn Staron optimistisch ist. „Die Geschichte wird nicht untergehen“, sagt Staron. Die umfassende Sammlung von Günter Zint bleibe schließlich erhalten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare