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Fossilfreie Investments

Die EU-Finanzaufsicht hat 2025 neue Namensleitlinien für Fonds eingeführt. Doch eine neue Studie zeigt: Es gibt noch Schlupflöcher für Greenwashing

Greenwashing-Probleme bestehen, obwohl Ver­brau­che­r:in­nen sich inzwischen besser orientieren können Foto: Zoonar/imago

Von Philipp Embach

Bis vor Kurzem konnten sich An­le­ge­r*in­nen häufig nicht sicher sein, ob als nachhaltig gelabelte ESG-Fonds ihr Versprechen auch halten. Häufig enthielten sie massive Investments in klimaschädliche, fossile Unternehmen. Neue EU-Leitlinien sollten das ändern. Eine Studie der NGOs Finanzwende, Urgewald und Facing Finance zeigt nun jedoch, dass die sogenannten ESMA-Leitlinien nur bedingt wirken.

Die EU-Finanzaufsicht European Securities and Markets Authority (ESMA) hatte im Mai 2025 neue Namensleitlinien eingeführt. Ziel: Greenwashing im Fondsbereich beenden. Kommen etwa „Climate“ oder „Environment“ im Namen vor, ist der Fonds von Investitionen in fossile Brennstoffe ausgeschlossen.

Immerhin: Es gebe mehr Transparenz, heißt es in der Studie. Fossile Investitionen in Fonds mit Nachhaltigkeitsbegriffen seien rückgängig. Bei nachhaltigen Geldanlagen habe sich „die Spreu vom Weizen getrennt“, sagt Magdalena Senn, Referentin für nachhaltige Finanzmärkte bei Finanzwende.

Laut den Au­to­r*in­nen haben viele An­bie­te­r*in­nen ihre Fonds jedoch einfach gezielt umbenannt und so aus dem Anwendungsbereich der Leitlinien verschoben. So könnten sie weiterhin Geld in Kohle, Gas und Öl anlegen. „Die massenhafte kreative Umbenennung von Fonds zeigt, dass dieser Schritt nicht ausreicht, um den ESG-Markt insgesamt zukunftsgerecht zu gestalten“, erklärt Senn. Zusätzlich zu den Regeln brauche es nationale Aufsichtsbehörden.

Namensänderungen sind nicht das einzige Problem

Wegen der geänderten Namen gelten die ESMA-Leitlinien laut der Studie für fast zwei von drei der ursprünglich betroffenen fossilen Investitionen jetzt nicht mehr. Jedoch benennen nicht alle An­bie­te­r*in­nen ihre Fonds um. „Vermögensverwalter nutzen bestehende Lücken für fossile Investitionen aus“, betont Julia Dubslaff, Finanzanalystin bei Urgewald.

Die Studie zeigt, dass noch immer 1,9 Milliarden Euro an fossilen Wertpapieren in Fonds liegen, die nachhaltig anmutende Worte im Namen tragen. Trotz besserer Orientierung für Ver­brau­che­r*in­nen bleibe ein massives Greenwashing-Problem bestehen. Viele Begriffe würden noch immer Nachhaltigkeit ausstrahlen, aber nicht unter die Leitlinien der ESMA fallen.

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