Fossile Rohstoffe und Klimawandel: Öl bleibt Öl

Bei Ölkonzernen ist es gerade en vogue, Klimaschutzpläne zu schmieden. Expert*innen haben indes nachgewiesen, dass sie weiter in fossile Rohstoffe investieren.

Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes (Pferdekopf) gefördert

Die Konzerne investieren nicht weniger, sondern mehr in die Erschließung neuer Öl- und Gasquellen Foto: Sebastian Widmann/dpa

BERLIN taz | Bernard Looney pries im August in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ein Produkt seines Hauses an: „Wir haben im vergangenen Jahr 150 Millionen Tassen Kaffee verkauft. Das ist ein starkes Geschäft. Es ist ein Wachstumsmarkt.“

Nun ist Looney der Chef des britischen Ölmultis BP, der rund 280 Milliarden Dollar Umsatz mit fossilen Rohstoffen macht. Der Satz war trotzdem kein Witz, er sollte illustrieren, dass der Konzern es ernst meint mit neuen Geschäftsfeldern jenseits von Öl- und Gasförderung. Vergangene Woche legte BP als erster Konzern seiner Branche mit der Vermutung nach, dass der globale Ölverbrauch 2019 sein historisches Maximum erreicht habe und nach Corona unweigerlich sinken könnte.

BP ist nur das jüngste Beispiel im Bemühen vor allem europäischer Öl- und Gaskonzerne, so etwas wie Klimaschutzpläne aufzustellen. Wie ernst die gemeint sind, hat die amerikanische NGO Oilchange International nun erstmals systematisch untersucht. Und obwohl einige Konzerne tatsächlich – wie eben BP, die italienische Eni oder auch die spanische Repsol – erste Schritte machen, ist das Ergebnis ernüchternd. „Der Beste unter den Schlechtesten zu sein ist nicht gut.

Es gibt absolut nichts zu feiern“, sagt die Mitautorin der Studie, Hannah McKinnon, der taz. Selbst die weniger Ambitionierten lassen sich überall Schlupflöcher offen: BP und Repsol versprechen zwar, bis 2050 klimaneutral zu sein, doch BP nimmt seinen Anteil an der russischen Rosneft einfach komplett aus. Repsol behält sich ebenfalls noch ein paar fossile Kraftwerke vor.

Konzerne investieren weiter in Öl und Gas

Equinor, Shell und Total wollen lediglich die CO2-Intensität ihrer Produkte senken, es soll also irgendwie weniger CO2 pro Öl- oder Gaseinheit in die Atmosphäre gelangen. Katastrophal sind die US-Konzerne, die keinerlei Klimaziele haben.

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Foto: taz

Staatskonzerne aus Russland, China oder den Golfstaaten sind in der Untersuchung nicht enthalten, weil nicht oder nur ­teilweise am Kapitalmarkt notierte Konzerne wesentlich intrans­parenter sind. Von Klimaschutzambitionen ist dort allerdings ohnehin nichts bekannt, sagt Studienautorin McKinnon.

Statt weniger Öl und Gas wollen die untersuchten Konzerne sogar kräftig weiter in die Erschließung neuer Quellen investieren. Obwohl allein die erschlossenen Ölvorräte ausreichen, um das Weltklima um mehr als 1,5 Grad aufzuheizen, die Emissionen aus Kohle und Gas nicht mitgerechnet. Untersuchungen der norwegischen Analysefirma Rystad Energy zeigen, dass allein ExxonMobil nach derzeitigen Investmentplänen seine Ölproduktion bis 2030 um 50 Prozent erhöhen könnte, BP um 8 Prozent, sollte das Unternehmen seine neuen Klimapläne nicht umsetzen.

Die Investitionen in den Öl- und Gassektor könnten sich bald, ähnlich wie zuvor im Kohlebereich, als Stranded Assets, also wertlose Geldanlagen erweisen. Der britische Thinktank Carbon Tracker warnte kürzlich, dass die Konzerne in ihren Analysen für mehr Ölverbrauch maßgeblich auf eine Ausweitung der Plastikproduktion setzen, ein möglicherweise 400 Milliarden Dollar schwerer Irrtum. McKinnon fordert ein staatliches Eingreifen: Keine neuen Förderlizenzen mehr und ein Ende der Subventionen für fossile Energien. „Es muss viel mehr viel schneller passieren.“

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