: Förderung für Frauen
■ Uhl und Jäger diskutierten Wirtschaftsförderung für Frauen
Mit einem Sechs-Punkte-Programm will Frauensenatorin Sabine Uhl die Bremer Frauen fördern: Klein- und Mittelbetriebe, die qualifizierte Frauenarbeitsplätze schaffen, sollen von der Wirtschaftsförderung 7,5 Prozent Investitionszuschuß erhalten, fordert die Senatorin, damit das „leidige Toilettenproblem“ endlich kein Argument mehr gegen die Einstellung von Frauen sein kann.
Außerdem will Uhl gemeinsam mit dem Wirtschaftssenator Claus Jäger einen Existenzgründerinnenfonds einrichten, aus dem einzelne Frauen mit bis zu 20.000 Mark, Frauenprojekte mit maximal 50.000 Mark gefördert werden können. Frauenprojekten im „zweiten Arbeitsmarkt“, die Frauen über ABM- Maßnahmen qualifizieren und unter chronischer Kapitalunterdeckung leiden, soll die Wirtschaftsförderung mit Inversittionszuschüssen unter die Arme greifen. So will es die Frauensenatorin.
Gemeinsam mit Wirtschaftssenator Claus Jäger stellte sich die Frauensenatorin am Freitag mit diesem Programm den Fragen des Bremer Landesfrauenrates. Die beiden SenatorInnen setzten offensichtlich auf Harmonie nach außen: „Wir haben entschieden, wir wollen nicht streiten“, verkündete Jäger, um gleich darauf seine Bedenken gegen einen Investitionszuschuß für Frauenförderung auszsprechen. Wortreich beschwörte er die Gefahr des „Mitnahmeeffektes“, denn der Senator sah keine Möglichkeit, Betriebe, die sowieso schon überwiegend Frauen beschäftigen, am Abkassieren zu hindern. Und überhaupt: Der Gleichheitsgrundsatz. Noch nie, sagte Jäger, habe es eine geschlechtsspezifische Wirtschaftsförderung gegeben. Daß das Bundesverfassungsgericht solches durchgehen lasse, könne er sich nicht vorstellen. Probleme habe es doch bereits beim Landesgleichstellungsgesetz im öffentlichen Dienst (“wie hieß das doch gleich?“) gegeben. Er empfahl den Frauen weitere Qualifizierung und mußte sich von den Zuhörerinnen erklären lassen, daß Frauen schon jetzt in der Regel bessere Abschlüsse machen als Männer.
Der „Mitnahmeffekt“ werde vor allem dann problematisiert, wenn es um Frauenförderung gehe, bemängelten die Zuhörerinnen, und Katja Barloschky von der Fraueninitiative Quirl fand die Forderungen der Frauen noch „sehr bescheiden“. Die Vorschläge der Frauensenatorin seien weder „übertrieben, noch luxuriös oder avantgardistisch. Warum sagen wir nicht, daß Frauenförderung ein Kriterium für Wirtschaftsförderung sein muß?“
Entrüstet protestierten einige der versammelten Frauen, dagegen, daß die Bremer Erklärung zum Sanierungskonzept auschließlich von Männern unterschreiben worden sei. Die Bremer Erklärung, entgegnete der Wirtschaftssenator, sei nun mal ein Wirtschaftsprogramm, das vor allem von den Wirtschaftsinstitutionen unterzeichnet worden sei. „Daß das nun alles Männer sind, meine Damen, das ist nun mal so.“ — „Weiterbildung für den Wirtschaftssenator“, empfahl eine Zuhörerin. dir
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen