Flüchtlingshelferin wird kriminalisiert: Angriffe gegen Helena Maleno

Spanien und Marokko terrorisieren die Aktivistin, so die Weltorganisation gegen Folter. Dabei leitete sie nur Seenotrufe weiter.

Heleeena Maleno

So mancher Flüchtling hat ihre Handynummer: Helena Maleno Garzón Foto: Gabriel Bouys/afp

MADRID taz | Die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) beschuldigt Spanien und Marokko, die Menschenrechtsaktivistin Helena Maleno gezielt zu kriminalisieren und sie über längere Zeit terrorisiert zu haben. Die in Nordmarokko lebende Gründerin der Hilfsorganisation „Caminando Fronteras“ (Grenzgänge) – ist einer von 20 Fällen aus elf Ländern, die in einem in Genf veröffentlichten Bericht mit dem Titel „Europe: Open Season on Solidarity“ (Europa: Die Jagd auf die Solidarität ist eröffnet) untersucht werden.

„Angriffe auf Menschenrechtsorganisa­tio­nen und Aktivisten, die für die Verteidigung der Rechte von Migranten arbeiten, haben in den letzten Jahren in Europa dramatisch zugenommen“, heißt es in dem Bericht.

Der Fall Maleno zeigt, wie weit die Verfolgung solidarischer Menschen gehen kann. Die 51-jährige Journalistin und Buchautorin macht seit Jahren vom nordmarokkanischen Tanger aus auf die Opfer der gefährlichen Überfahrt zwischen Marokko und Spanien aufmerksam. Dies brachte ihr schließlich 2017 in Marokko eine Anklage wegen „Menschenhandels“ und „Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung“ ein.

Der Vorwurf stützte sich auf die Tatsache, dass Maleno immer wieder die spanische Hochseerettung anrief, um auf Flüchtlingsboote in Seenot aufmerksam zu machen. Maleno leitete damit Hilferufe weiter, die sie selbst von den Betroffenen erhielt. Denn die Spanierin ist in Marokko so bekannt, dass so mancher Flüchtling ihre Handynummer mit sich führt, um sie im Notfall anzurufen.

Vereint gegen Menschenrechtler

Die spanische Polizei unterstütze die marokkanischen Behörden bei den Ermittlungen und forderte diese gar auf, die Höchststrafe von 15 Jahren Haft gegen Maleno zu verhängen. Internationale Berichterstattung und Proteste verhinderten dies schließlich. Maleno wurde 2019 freigesprochen. Doch damit war ihr Leidensweg nicht zu Ende. Seit dem Freispruch wurde sie 34-mal angriffen. Unbekannte drangen in ihre Wohnung ein. Ihre Tochter konnte nicht mehr alleine in die Schule gehen.

Schließlich wurde Maleno 2020 gar gewaltsam von Marokko nach Spanien abgeschoben. „Seit 2017 hat sich mein Leben total verändert. Die Therapeuten, von denen wir während der Zeit begleitet wurden, sagen, dass wir für Folteropfer typische Symptome zeigen“, erklärt Maleno.

Neben Maleno berichtet die OMCT von 20 weiteren Fällen aus elf Ländern, darunter sieben Bergführer, die als Schlepper kriminalisiert wurden, weil sie mitten im Winter in den Alpen zwischen Frankreich und der Schweiz im Schnee feststeckende Migranten unterstützten, oder die 13-jährige Haftstrafe für den ehemaligen Bürgermeister Domenico Lucano für die Aufnahme von Migranten in Süditalien.

„Der Schutz von Menschenleben ist eine legitime Aktivität“, erklärt Gerald Staberock, OMCT-Generalsekretär. „Es ist nicht zu rechtfertigen, dass durch die EU-Migrationsrichtlinien und entsprechende staatliche Politik Personen kriminalisiert werden, die sich mit den Frauen, Männern und Kindern auf der Flucht solidarisch zeigen.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de