Flüchtlinge aus Venezuela in Kolumbien: Schutz für eine Million Menschen
Venezolanische Geflüchtete sollen einen temporären Schutzstatus für zehn Jahre erhalten. Damit können sie künftig das Gesundheitssystem nutzen.
Foto: Carlos Eduardo Ramirez/reuters
epd | Die kolumbianische Regierung will knapp einer Million venezolanischer Flüchtlinge, die sich bislang illegal im Land befinden, einen sicheren Aufenthaltsstatus verschaffen.
Sie sollen einen temporären Schutzstatus erhalten, wie Präsident Iván Duque im Rahmen eines Treffens mit dem UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi am Montag (Ortszeit) in Bogotá erklärte. Einem Kommuniqué der Regierung zufolge, das die Migrationsbehörde veröffentlicht hat, sollen auch die etwa 760.000 Geflüchteten, die bereits eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung haben, mehr Sicherheiten erhalten.
Mit den Maßnahmen will die Regierung helfen, die Flüchtlinge in das wirtschaftliche Leben in Kolumbien zu integrieren. Der vorläufige Schutzstatus ermöglicht es ihnen, sich im Land frei zu bewegen und das Gesundheitssystem zu nutzen. Er hat eine Gültigkeit von zehn Jahren. Wer länger im Land bleiben wolle, müsse sich dann um ein dauerhaftes Aufenthaltsvisum kümmern, heißt es in dem Schreiben.
UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte den „wichtigen Akt der Solidarität“. Die Einbeziehung der Venezolaner helfe auch, die Pandemie besser in den Griff zu bekommen. UN-Flüchtlingshochkommissar Grandi betonte, der temporäre Schutzstatus ändere das Leben der Venezolaner. Die Mehrheit sei im informellen Sektor tätig, viele von ihnen würden bislang diskriminiert. „Diese Initiative ist ein außergewöhnlicher Ausdruck von Menschlichkeit, der Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten und des Pragmatismus“, sagte er.
Nach Angaben des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR haben mehr als fünf Millionen Venezolaner aufgrund der wirtschaftlichen Krise ihr Land verlassen. Etwa ein Drittel von ihnen hält sich in Kolumbien auf. 2020 betrug die Inflationsrate in Venezuela 3.700 Prozent, 90 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Die massive Flucht in das Nachbarland war immer wieder ein Streitpunkt zwischen der kolumbianischen und der venezolanischen Regierung.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert