: Flieg, Welt, flieg hoch!
Die Flucht vor der Realität in die Elemente
Am Mittwoch begann in Erfurt, wie epd jüngst berichtete, eine Tagung, die sich „der Wirkung militärischer Erfahrungen auf Kunst, Literatur und Denken widmet“ und den „Krieg als prägendes Element der Lebenswelt betrachtet“. So schwurbelte es hochtrabend aus dem Ticker, und dabei fiel auf, dass das Wort „Element“ momentan in der Kultur einen neuen hohen Dummwert hat. In Essen gibt es ein Musikfestival unter dem verblasenen Titel „Elements“. Und in Düsseldorf zeigt der Kunstpalast Werke unter der Überschrift „Das fünfte Element“. Selbst die alte Treterfirma Birkenstock verkündete kürzlich in einer atemberaubend aufgeplusterten Mitteilung aus dem „Pop-Up-Space im Herzen vom Pariser Le Marais“, dass Kork das „signifikanteste Element“ der Latschen sei. Kork, dieses unmodische Material, ist jetzt auch schon Element! Elemente sind einfach überall. Denn je näher die brutale Realität des Krieges rückt, desto vergeistigter geben sich die höheren Töchter und Söhne der Kunstsphäre und flüchten sich in realitätsferne „Elemente“. Damit sie bloß nicht wie gewöhnliche Wesen mit Luft und Wasser, Erde und Feuer in Berührung kommen. Echt elementesk!
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