Fleischindustrie unter Beschuss: Kein Recht auf Billigfleisch
Landwirtschaftsministerin Klöckner will mehr kleine Schlachtbetriebe. Die Achtung von Tier- und Menschenrechten erfordert eine Änderung des Systems.
Das sei der Nährboden für das System der vielen Subunternehmer im Rahmen der Werkverträge. „Verantwortung wird delegiert. Das geht zu Lasten der Menschen, das System ist massiv krisenanfällig“, sagte Klöckner. Eine Antwort könnten wieder mehr kleinere Schlachthöfe in der Fläche sein. Das setze aber Akzeptanz vor Ort voraus und die Möglichkeit, die hohen Standards einzuhalten.
Auch der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck sprach sich für ein Ende der Fleischfabriken und für mehr regionale Schlachtereien aus. Die Transportzeit der Tiere zum Schlachthof dürfe nicht mehr als vier Stunden betragen, sagte er der Bild am Sonntag. Zugleich forderte er angesichts des Corona-Ausbruchs bei Tönnies von der Bundesregierung strengere Sicherheitsregeln für die Mitarbeiter wie einen verpflichtenden Mindestabstand von 1,5 Metern. Habeck hält auch eine Reduzierung des Arbeitstempos in den großen Schlachtbetrieben für sinnvoll.
Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner unterstützt den Vorstoß von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der Werkverträge in der Fleischindustrie verbieten möchte. Sie setzt sich außerdem für eine Tierwohlabgabe ein und will Werbung mit Lockangeboten an der Fleischtheke verbieten. „Billigstfleisch wird gekauft, gleichzeitig werden höchste Tierschutzstandards erwartet. Mehr Tierwohl kostet natürlich Geld“, sagte die Ministerin. Es gebe kein „Recht auf täglich Billigfleisch“.
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