: Fitte Gelbe Seiten
Nun hat auch Hamburg seinen Fitneß-Führer. Endlich? Eine Vielzahl Leser des Hamburger Abendblattes nötigte den Springer-Autor Lars Haider postalisch und fernmündlich, seine seit 1995 erscheinende Kolumne in Buchform zu publizieren.
Herausgekommen ist so etwas wie die „Gelben Seiten“ für Bewegungshungrige: Ein umfangreicher Serviceteil listet sämtliche Fitneßstudios der Stadt nach Bezirken geordnet auf. Ein lexikalisch angelegter Abschnitt erleichtert die Übersicht über fast 100 Fitneßsportarten.
Haider wollte jedoch noch mehr liefern: Den großen Report über eine „Fitneßmetropole“ – in Hamburg schwitzen 150 000 Menschen in Fitneßstudios. Hier ist, Haider zufolge, „Fitneß zu einem Lebensgefühl geworden.“
Der anschließende Streifzug durch ausgewählte Betriebe des Bewegungsgeschäfts gerät allerdings werbebroschürenhaft. Der Leser wird mit produktbezogenen Qualitätsmerkmalen und (zu) vielen Details bombardiert. Er erfährt, daß die Autobahn zeitweise gesperrt werden mußte, als der Club Meridian sein 300 000 Liter fassendes Schwimmbad, eine Sonderanfertigung aus Süddeutschland, geliefert bekam. Außerdem sind die Schränke dieses Etablissements von innen belüftet und die clubeigenen, äußerst seltenen Pflanzen mehr als 200 Jahre alt. Natürlich sind auch die Trainer „einfach top“.
Wie Popstars werden die Übungsleiter auf Farbporträts vorgestellt. Der 31jährige Manos Padas darf sogar nachdenklich gestehen: „Mein ganzes Leben lang herumhüpfen, das kann ich nicht.“ Kein Problem, solange das „Lebensgefühl“ stimmt.
Immerhin erfährt der Anfänger alles, was ihn als Neuling in einem Studio bewegen könnte. Der Sportmediziner Klaus-Michael Braumann klärt auf, wie oft man trainieren sollte und wie lange es dauert, bis erste Veränderungen am eigenen Körper zu bewundern sind.
Von der Fitneßwelle werde, behauptet Haider, jeder erfaßt. An den Geräten sind inzwischen „ganz normale Menschen in ganz normaler Sportkleidung“ tätig. Einziges Kriterium: die „Lizenz zum Schwitzen“, die Mitgliedskarte des Fitneßcenters.
„Hinterher fühlt man sich einfach besser“, verspricht der Autor nach einem Studio-Besuch. Für die Lektüre des Buches gilt das allerdings nur bedingt. Matthias Greulich
Lars Haider: „Einfach top! – Fitneß in Hamburg“, Hamburger Abendblatt 1997, 200 Seiten, 20 Mark.
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