Fish-Dependence-Day: Fisch auf Kosten der Anderen

Brot für die Welt, Slow Food und die Bremer Initiative Fair Oceans erinnern an den Fish-Dependence-Day, der die Ungerechtigkeit des westlichen Konsums misst.

Der Thunfisch hat fast nur einen Feind: Den Menschen. Mittlerweile stirbt er aus. Bild: dpa

BREMEN taz | Ab dem 6. April isst Deutschland seinen Fisch auf Kosten ausländischer Fischgründe. Darauf haben in einer gemeinsamen Aktion die kirchliche Entwicklungshilfeorganisation Brot für die Welt, der Genuss-Verein Slow Food Deutschland und die Bremer Initiative Fair Oceans e.V. hingewiesen. Bremen, das sich mit dem Titel „Hauptstadt des Fairen Handels“ schmückt, ist daran beteiligt: Sowohl die Lebensmittelindustrie als auch die Häfen des Landes profitieren davon erheblich.

Jeder Fisch, der ab dem Fish-Dependence-Day in Deutschland bis Ende des Jahres konsumiert wird, muss rein rechnerisch importiert werden. Zumal über die Bremer Häfen und Bremerhaven werden große Mengen Fisch und Fischmehl eingeführt, vielfach werden sie direkt hier weiterverarbeitet.

Allein im vergangenen Jahr ging es dabei um 237.000 Tonnen Fisch- und Krebstiere, die an Lebensmittelindustrie, Direktabnehmer und Einzelhandel verkauft wurden sowie rund 190.000 Tonnen Fischmehl: Deren Hauptabnehmer ist die Futtermittelindustrie. Das proteinreiche Pulver wird in der Kälber- und Geflügelmast verwendet.

Der Fish-Dependence-Day wurde 2010 erstmals von der britischen New Economics Foundation errechnet. Er macht aufmerksam auf die globale Überfischung infolge des Konsums der Industriestaaten. Mittlerweile wird jeder zweite in Europa verzehrte Fisch jenseits der EU-Gewässer gefangen. Das kritische Datum rückt stetig weiter Richtung Jahresanfang.

In Deutschland wurden 2013 rund 1,1 Millionen Tonnen Fisch und Fischereierzeugnisse gegessen. Das entspricht fast 14 Kilo pro Kopf.

Von dieser Gesamtmenge sind 22,3 Prozent Alaska-Seelachs, 17,1 Prozent Lachs, 16,2 Prozent Hering und 13 Prozent Thunfisch - zusammen mehr als zwei Drittel.

Der meist konsumierte Süßwasserfisch ist die Forelle, die mit nur 5,1 Prozent Anteil am Konsum auf Platz fünf landet.

Ein Trend, den Brot für die Welt, Slow Food Deutschland und der Bremer Verein Fair Oceans stoppen und umkehren wollen: In Entwicklungsländern führt nämlich der hiesige Fischhunger zu Problemen. „Wir können uns auch ohne deren Fisch ausgewogen ernähren“, sagt Francisco Marí, Fischereireferent von Brot für die Welt, „die Menschen dort können das jedoch nicht.“ Er warnte, dass Fischereiabkommen mit diesen Ländern nicht dazu führen dürften, „dass die einheimische Bevölkerung mangelernährt“ sei. Deshalb fordert das Aktionsbündnis die Bundesregierung und die Europäische Union auf, fremde Fischbestände zu schonen.

Man müsste dafür nicht einmal auf Fisch verzichten, so Ursula Hudson von Slow Food Deutschland: Anders als Importgüter wie Bananen, Kakao oder Kaffee, die in unseren Breiten nicht gedeihen, gibt es ja heimische Fischgründe – von ungenutzter Vielfalt: „Es gibt über 25.000 genießbare Fischarten, aber nur etwa 20 finden sich in unseren Fischtheken“, sagt Hudson. Die heimischen Gewässer böten mit unbekannten, aber köstlichen Fischarten wie der Schleie hervorragende Alternativen. Anders als die Aquakultur: Die sei „in keiner Weise nachhaltig“, so Hudson.

Ähnlich sieht es Kai Kaschinski von Fair Oceans: Gerade die Onshore-Fischzucht sorge für einen größeren Verbrauch von Fischmehl aus dem Pazifik. Das werde zudem mit – ebenfalls importierter – Soja angereichert. Insgesamt ergebe sich „eine schlechte Energiebilanz ohne ökologischen Gewinn“.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben