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Finals in HannoverDie Stadt als Sportplatz

24 Sportarten haben bei den Finals 2026 gemeinsam ihre deutschen Meister ermittelt. Es geht um mehr Aufmerksamkeit. Für Hannover war es ein Erfolg.

Aus Hannover

Christian Otto

Geht das? Dass eine ganze Stadt einen leichten, angenehmen Muskelkater verspürt? Vom Applaudieren, vom Ausprobieren und vom Flanieren zwischen diversen Sportstätten. Die Finals, ein viertägiges Multisportevent, haben bei ihrer Austragung in Hannover am vergangenen Wochenende großen Eindruck und Nachwirkungen hinterlassen.

Es war tatsächlich anstrengend, sich aus 24 Sportarten vom Bogenschießen bis zum Windsurfen genau das herauszusuchen, was man als Zuschauer hautnah miterleben wollte. Nach Angaben der Organisatoren wollten bis zum vergangenen Sonntag rund 480.000 Menschen den Wettstreit der Sportarten in Hannover miterleben. Die Finals 2026 waren ein riesiger Erfolg. „Ich bin sehr, sehr begeistert von der überwältigen Resonanz“, sagt Hagen Boßdorf. Er ist der Erfinder der Finals und Geschäftsführer der Gesellschaft, die das Spektakel vermarktet.

Seit ihrer Premiere 2019 in Berlin sind die Finals kontinuierlich gewachsen und weiterentwickelt worden. ARD und ZDF inszenieren das Event mithilfe sehr sehenswerter Bilder wie Olympische Spiele in Miniaturformat. Kleineren Sportarten wie dem Speed-Klettern, dem Rapid Surfen oder Ju-Jutsu eine große Bühne zu verschaffen, ist lobenswert.

Vor dem Opernhaus sorgten Stabhochspringer, Beachvolleyballer und Speed-Kletterer für volle Tribünen

Die rund 4.000 Sportlerinnen und Sportler, die zuletzt in Hannover um Ruhe, Ehre und nationale Titel gekämpft haben, sind eher selten umjubelte Helden. „Und die Finals bringen den Sport dorthin, wo die Menschen sind. Das Konzept ist genial“; findet Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Niedersachsen (LSB).

Er kämpft seit Jahren für bessere Bedingungen jener Sportarten, die sich im Schatten von König Fußball schinden. Der vom LSB verantwortete Olympiastützpunkt in Hannover ist in die Jahre gekommen. Er hat seine Heimat im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten des großen Fußballstadions gleich nebenan.

Die Finals in Hannover haben es auf vorbildliche Weise geschafft, das Scheinwerferlicht auf etablierte, junge und aufstrebende Sportarten außerhalb des Profifußballs zu richten. Vor dem Neuen Rathaus haben die 3x3-Basketballer ihr Können gezeigt. Vor dem Opernhaus sorgten die Stabhochspringer, Beachvolleyballer und Speed-Kletterer für volle Zuschauertribünen.

Der Andrang vor allem bei den Darbietungen mit freiem Eintritt war in der Innenstadt von Hannover zwischenzeitlich so groß, dass die Massen umgeleitet oder sogar abgewiesen werden mussten. Das Privileg von Hannover, als Landeshauptstadt von Niedersachsen eine überschaubare Größe mit kurzen Wegen zu sein, sorgte bei der Austragung der Finals für einen idealen Rückenwind.

Sportfest, Stadtfest

Dazu kam der Mut der Organisatoren, mit dem Maschseefest eine Sause für das Volk parallel zu den sportlichen Darbietungen zu eröffnen. Trotz großer Sicherheitsbedenken: Alles ist friedlich geblieben und hat sich sogar gegenseitig befruchtet. Und fast 700 sogenannte Überfahrtsperren haben dafür gesorgt, dass Autos und wirre Ideen erfolgreich ausgebremst werden konnten.

Hannover wird als Gastgeber der Finals in diesen Tagen mit Lob überhäuft. Kritiker trauen der Stadt, die mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vor mittlerweile 20 Jahren das letzte internationale Sportgroßereignis zu Gast hatte, wenig Begeisterungsfähigkeit zu. Die vier tollen Tage haben das Gegenteil bewiesen.

Bei den Besuchern der Sportstätten in Stadt und Region ist vor allem gut angekommen, dass es viele Mitmachangebote gab und dass ein Großteil der Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt war. Wer sich die Finals zu Fuß oder mit dem Fahrrad erschließen wollte, war deutlich im Vorteil.

Autofrei mithilfe des Sports

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) kämpft seit Jahren darum, eine neue Mobilität in einer möglichst Pkw-freien Innenstadt zu fördern. Mit den Finals ist es in „seiner“ Stadt gelungen, für frischen Wind und neue Verkehrsideen zu sorgen. Außerdem möchte der zur Wiederwahl stehende Politiker die Finals erneut nach Hannover holen.

2030 oder 2031 werden als mögliche Daten für die Rückkehr einer Veranstaltung nach Hannover genannt, die eine Welle der Euphorie entfacht hat. 2027 darf Stuttgart die Finals ausrichten und versuchen, den neuen Zuschauerrekord aus Hannover noch einmal zu toppen.

Es ist all den Aktiven, Verbänden und Vereinen mit einer Präsenz bei den Finals zu wünschen, dass ihre Sichtbarkeit für mehr Zuspruch und Nachfrage sorgt. Hannover ist eine Stadt, die mit dem Stadionbad, dem Olympiastützpunkt, dem Stadion am Maschsee, dem Stadtwald namens Eilenriede und im Umland mit dem Steinhuder Meer beste Möglichkeiten für Veranstaltungen sowie Breiten- und Leistungssport bietet.

Aber im Nachgang zu den Finals wird sich die Frage stellen, ob der ausgelöste Zuschauerboom dem kleinen Sport wirklich mehr Aufmerksamkeit, Geld und Fördermöglichkeiten bescheren kann. Von den „echten“ Olympischen Sommerspielen, die alle vier Jahre ausgerichtet werden, lässt sich lernen: Ruderer, Schwimmer, Turner und Leichtathleten sind dank Olympia immer nur Helden auf Zeit. Sobald ihr Kampf um Medaillen beendet ist, kehren sie in das zweite Glied hinter den alles dominierenden Profisport zurück.

In Hannover investieren die wichtigsten Unternehmen vor Ort ihre Werbebudgets vor allem in Fußball-Zweitligist Hannover 96. Vielleicht können die Finals in dieser Hinsicht ein Umdenken anstoßen.

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