Fiese Figuren: Blut im Mann
■ Das Packhaus-Puppentheater goes Drama und erschafft Monstrosität
Die Bremer Puppenspielszene expandiert. Im „Theatrium“ im Schnoor treibt nun auch Ulrike Andersen ihr Wesen. Mit „Lady Macbeth“ mischt Ulrike Andersen echtes Drama in das bisher von Produktionen wie „ADDAMS Familiy“ und „Pippi Langstrumpf“ dominierte Programm.
In blutrotem Gegenlicht entwickelt die Figurenspielerin ihr Mordkomplott, treibt als Lady Macbeth den Mann zum Königsmord: „Nimm du den Dolch, sein Griff sucht deine Hand – dies alte Eisen, das Könige tauscht.“ Es ist faszinierend zu sehen, wie in der Holzbalken-Wohnzimmer-Gemütlichkeit des Zimmertheaters Monstrosität entsteht, wie Andersen aus kleinen Puppen fiese Mordgeschöpfe macht. Aus dem Off dringen innere Stimmen von Treibern und Getriebenen. Ganz wie in klassischen Macbeth-Inszenierungen bleibt die Bühen als Trümmerfeld zurück („Wer hätte auch gedacht, dass so viel Blut in diesem alten Mann noch ist“) und erst, wenn das Licht wieder angeht, realisiert man das Puppenstubige des Theaters. Vorher war Drama auf engstem Raum.
HB
Morgen und übermorgen (20 Uhr) im Theatrium. Infos unter Tel.: (0421) 32 68 13
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen