: Fettiges Kabarett
■ Zu „Fettiges Kabarett“, taz vom 8.10.1991
Sollte Geist, (Wort-) Witz, literarisches Wissen und kabarettistisches Können tatsächlich zu Umfang und Gewicht des Künstlers in kommunizierender Relation stehen, so wäre Uli Reineking — nebst, nicht nach — Qualtinger —, der beste Beweis für diese These. Herrlich die Hommage von Claudia Kohlhase auf dieses wortgewaltige „Klein“ od der Kleinkunst! Wie muß sich doch die Vielzahl der etablierten Funk-und Fernsehkabarettisten schämen, wenn „Urdru“, das Urviech, auf seiner Minibühne loslegt. Gnadenlos, ohne Blatt und ohne Blatt vorm „Schand“-Maul, stets verletzend, immer ehrlich, und auf hohem literarischen Niveau, zieht er über Gott, Gotter, Halbgötter und gewöhnliches Fußvolk her. Gilt seine besondere Haßliebe den Stammtischbrüdern jeglicher Couleur und den omnipotenten, absolutistischen Apperatschiks in Kirche, Kultur und Politk, so bleiben bei seinen literarischen Gewalttätigkeiten doch auch oft Freunde und Nachbarn nicht verschont. Damit beweist einer wie Reineking seine Verwurzelung im aufkeimenden Feld der Kultur in Walle. So lasset uns denn hoffen, daß der kleine schmucklose Raum der GaDeWe noch lange seine Heimstatt und von der Kulturschickeria verschont bleibt (Wenn nur nicht das von Jürgen Hänel so verdammt gut und treffend gestaltete Plakat soviel Aufmerksamkeit erregen würde).
Ulli Bau
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