Fatmire Alushi über das CL-Finale

„Wir halten hart dagegen“

Mit Paris St. Germain trifft Fatmire Alushi am Donnerstag auf den 1. FFC Frankfurt. Ein Traumfinale, sagt sie – und beklagt die mangelnde Wertschätzung ihres Sports.

Fatmire Alushi, hier im DFB-Trikot, freut sich auf das CL-Finale. Bild: dpa

taz: Fatmire Alushi, Sie sind unweigerlich der gefragteste Gesprächspartner für das Finale der Women's Champions League am Donnerstag in Berlin: Bevor Sie bei Paris St. Germain angeheuert haben, spielten Sie beim 1. FFC Frankfurt. Ist das Ihr persönliches Traumendspiel?

Fatmire Alushi: Ja, ich habe mir tatsächlich solch ein Finale gewünscht. Ich treffe jetzt auf viele Freunde. Es ist ein perfektes Endspiel und es geht um einen ganz, ganz großen Titel, den ich nach vielen Jahren mal wieder in den Händen halten möchte. Ich habe das einmal mit Turbine Potsdam erleben dürfen.

Insgesamt stehen fünf deutsche Spielerinnen in Paris unter Vertrag. Mehren sich bei Ihnen im Mannschaftskreis die Nachfragen, was den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark als Endspielort betrifft? Ihre Mitspielerin Kosovare Asllani hat von einem unwürdigen Schauplatz gesprochen.

Ich habe mir das auch zuerst im Internet angesehen und auch erst gedacht: mein Gott! Ich kannte das Stadion nicht, und es gibt in Berlin bestimmt schönere Stadien ohne Tartanbahn. Leider werden wir Frauen in dieser Hinsicht nicht genügend wertgeschätzt. Immerhin soll es ausverkauft sein, worüber viele meiner Mitspielerinnen schon mal gestaunt haben.

Aber Sie hätten sich lieber das Olympiastadion gewünscht?

Na klar. Oder das von Union Berlin, wo die Zuschauer näher dran sind. Schließlich bekommen die Zuschauer ein hammergeiles Finale zu sehen.

Was hat man denn von den PSG-Frauen zu erwarten?

Im französischen Frauenfußball wird die Technik, das Zusammenspiel, sehr betont. Aber unsere Mannschaft scheut sich auch nicht, hart dagegenzuhalten. Wenn es sein muss, dann wird auch mal der Ball auf die Tribüne geschlagen. Sonst hätten wir nicht das Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg überstanden. Dieser tolle Mix hat uns weit gebracht.

Die 27-Jährige wurde im Kosovo geboren und wanderte mit ihrer Familie 1992 nach Deutschland aus. Mit Turbine Potsdam gewann sie das Champions-League-Finale 2010, mit dem deutschen Nationalteam die WM 2007 sowie die EM 2009 und 2013. Im Sommer 2014 wechselte sie vom 1. FFC Frankfurt zu Paris St. Germain.

Wie stark ist denn die französische Liga?

Unsere Frauen-Abteilung ist hier sehr professionell aufgestellt. Und es stimmt auch nicht, dass wir nur in drei, vier Spielen richtig gefordert werden. Klar ist die Frauen-Bundesliga stärker, aber wir und Lyon sind mindestens auf dem Niveau der Topteams.

Was machen Ihre Sprachkenntnisse?

Ich habe das Gefühl, dass mein Französisch immer besser wird. Wenn unser Trainer eine Ansprache hält oder die Mitspielerinnen mit mir reden, dann verstehe ich alles – zumindest wenn sie langsam sprechen. Antworten fällt mir schwerer, aber nach acht Monaten kann noch nicht alles klappen…

Werden Sie am Donnerstag spielen?

Gegen Wolfsburg hatte ich noch mit meiner Verletzung zu tun, aber wenn ich jetzt beschwerdefrei bleibe und trainiere, dann werde ich auch spielen.

Nationalmannschaftskapitänin Nadine Angerer hat harte Kritik an den Zuständen beim 1. FFC Frankfurt geübt. Sind Sie auch deshalb weggegangen?

Der 1. FFC Frankfurt ist ein super Verein mit super Spielerinnen, aber in einigen Punkten gibt es noch Nachholbedarf. Das wissen die Leute dort auch selbst und versuchen das zu ändern – vielleicht klappt es irgendwann.

Nach dem Champions-League-Finale trifft sich bereits am 18. Mai das deutsche Nationalteam zur WM-Vorbereitung in der Schweiz. Mit welchen Zielen gehen Sie dann nach Kanada?

Meine Erwartungen sind groß, aber es wird vermutlich eine sehr schwierige WM. Dass auf Kunstrasen gespielt werden muss, halte ich weiter für falsch. Und wir haben zwar in der Gruppenphase leichte Gegner, aber in der K.-o.-Phase können echte Brocken auf uns zukommen.

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