: Fake mit dem Rebbe
Wenn Katholiken einen Juden interviewen
Katholiken und Juden sind traditionell, um es vorsichtig auszudrücken, wie Hund und Katze. Haben doch die Christen vor rund 2.000 Jahren eine der ersten großen Fake News der Geschichte in Umlauf gebracht, die Juden hätten Jesus von Nazareth umgebracht. Ein unseliges Märchen, das lange das Verhältnis beider Religionen belastete. Kein Wunder also, dass Katholiken und Juden oft Verständigungsprobleme haben – bis heute. Jetzt hat die Katholische Nachrichtenagentur KNA den Präsidenten der Generalversammlung der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, in einem Interview offenbar falsch verstanden. Am Donnerstag jedenfalls titelte die KNA: „Oberrabbiner Goldschmidt: Iran stabilisiert gesamten Nahen Osten.“ Iran?! Stabilisiert?! Den Nahen Osten?! Das soll ein jüdischer Oberrabiner erklärt haben? Gesagt hat der Rebbe tatsächlich: „Solange der Iran den Nahen Osten destabilisiert …“ Destabilisiert muss es richtig heißen. Die Aussage wurde ins Gegenteil verkehrt. Katholische Fake-Tradition oder nur ein Freudscher Verschreiber? Der Jude Freud hätte seine psychologische Freude daran gehabt.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen