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Extremismus-DiskussionFarbe ist nicht gleich Farbe

Kommentar von

Amanda Böhm

Und Gewalt ist nicht gleich Gewalt, wenn es um Farbanschläge gegen Privathäuser geht. Das finden jedenfalls SPD, CDU und FDP in Bremen.

Die Hufeisentheorie besagt, dass links und rechts an den Rändern konvergieren. Doch ob das stimmt? Foto: Bernd Weißbrod /dpa

E in Ratespiel: In Bremen gab es in den vergangenen Wochen politisch motivierte Farbangriffe auf sechs unterschiedliche Häuser.In drei der Häuser wohnten Parteimitglieder der Linken, in dem vierten eine linke WG, in dem fünften ein antifaschistischer Bürger und in dem sechsten der aktuelle Verfassungsschutzchef Thorge Koehler. Welcher dieser Anschläge wurden zum Auslöser einer parteiübergreifenden Debatte über Gewalt, Extremismusbekämpfung und Sicherheitsfragen? Nach welchem dieser Anschläge wurde eine Verschärfung des Verfassungsschutzgesetzes, ein Aufrüsten der Sicherheitsbehörden, eine geschlossene, parteiübergreifende Distanzierung gefordert?

Es ist natürlich der auf das Haus von Verfassungsschutzchef Koehler. Mehrere mit Farbe gefüllte Christbaumkugeln wurden gegen seine Hauswand geworfen, in einem Be­ken­ne­r*in­nen­schrei­ben wird der Anschlag mit dem kürzlichst enttarnten V-Mann innerhalb der Interventionistischen Linken begründet.

Von einer „absoluten Grenzüberschreitung“ spricht Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD). Der Anschlag zeige überdeutlich, dass „gewalttätige Extremisten völlig zu Recht in Bremen intensiv beobachtet werden“. Marcel Schröder von der FDP sprach von einer „systematischen Verharmlosung des Linksextremismus“ und fordert die Partei Die Linke auf, sich von dem Angriff zu distanzieren, was diese längst getan hat. Michael Labetzke vom Bündnis 90/Die Grünen findet sogar: „Man könnte schon von beginnendem Linksterrorismus sprechen“.

Die Sache mit dem rechten Auge

Man ist sich also einig: Farbanschläge auf Privathäuser sind aufs Schärfste zu verurteilen. Wie groß muss dann erst der Aufschrei gewesen sein, als nicht nur eins, nein, gleich fünf Häuser angegriffen wurden! Vier der Häuser, weil man die Be­woh­ne­r*in­nen anhand von Plakaten als An­ti­fa­schis­t*in­nen identifizierte. Der Bewohner des fünften Hauses ist ein Schwarzer Mann, der im Vorfeld von Rechten gefilmt, in sozialen Medien unter dem abscheulichen Titel „Invasive Menschen“ veröffentlicht und unter anderem von AfD-Mitglied Gerald Höns eingeschüchtert wurde.

Und, wie war da die Reaktion? „Da waren alle still“, sagt die Landessprecherin der Linken, Anna Fischer. „Das ist schon ein deutliches Zeichen.“ Lediglich von Bündnis 90/Die Grünen kam eine Solidaritätsbekundung.

Wir halten fest: Farbanschläge sind zu verurteilen, außer sie betreffen Antifaschist*innen.

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