Ex-Präsidentenschwiegersohn abgetaucht: Kasachischer Showdown in Wien

Dem Ex-Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nasarbajew droht ein Verfahren wegen Kidnapping, Erpressung, Nötigung - und vielleicht auch Mord. Doch er ist untergetaucht.

Genoss lange Narrenfreiheit: Rakhat Alijew.

WIEN taz Für Rakhat Alijew, einen der meistgesuchten Männer Zentralasiens, wird es eng. Der Mann, der bislang in Österreich ein Recht auf vorläufigen Aufenthalt genoss, ist untergetaucht. Kasachstan verlangt seine Auslieferung wegen Kidnappings, Erpressung und Nötigung, möglicherweise auch wegen Mordes, und nun interessiert sich die österreichische Justiz für ihn.

Diese Woche hat das Landesgericht für Strafsachen in Wien drei Tage lang Angehörige seiner mutmaßlichen Opfer angehört.

Armangul Kapaschewa ist eine von ihnen. Sie weiß nicht einmal, ob sie Witwe ist. Ihr Mann Zholdas Timralijew, ein Topmanager und Mitbegründer der kasachischen Nurbank, wurde gemeinsam mit seinem Kollegen Aibar Khasenow am 31. Januar 2007 von Alijew zu einer dringenden Sitzung gerufen. Seither fehlt von den Männern jede Spur. Mehrere Komplizen, die in Kasachstan als Mitverschwörer angeklagt wurden, sagten aus, die Manager seien tagelang gefoltert worden. Alijew, der mächtigste Aktionär der Bank, soll persönlich Hand angelegt haben.

Sein Ziel: die Überschreibung des gesamten Bankvermögens. Alijew, der in den 1990er-Jahren Vizechef des kasachischen Geheimdienstes KNB war, hatte in wenigen Jahren ein Vermögen erwirtschaftet, das auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt wird. Ob Öl, Banken, Zucker oder Medien: Alijew, der sich dank seiner Ehe mit der Präsidententochter Dariga Nasarbajewa Anteile an den profitabelsten Unternehmen des Landes sichern konnte, genoss weitgehend Narrenfreiheit.

Als immer mehr Geschäftsleute über die Methoden Alijews klagten, so Kapaschewa, wurde es Staatschef Nursultan Nasarbajew jedoch zu bunt. Er schickte den Schwiegersohn 2001 als Botschafter zur OSZE nach Wien.

Endgültig in Ungnade fiel Alijew erst nach dem Verschwinden der beiden Bankmanager. Er wurde zwangsgeschieden, in Abwesenheit zu zweimal zwanzig Jahren verurteilt und behielt sein Aufenthaltsrecht in Wien. Seine Auslieferung wurde jedoch mit Hinweis auf die zweifelhafte Rechtsstaatlichkeit der kasachischen Justiz verweigert.

Für Österreich ist die Angelegenheit politisch heikel, zumal Alijew auch Verbindungen zu al-Qaida nachgesagt werden. Bundespräsident Heinz Fischer sagte letzten Oktober einen lange geplanten Staatsbesuch in Kasachstan kurzfristig ab. Auf Alnur Mussajew, einen Exgeheimdienstchef, der an der Verschleppung der Bankmanager beteiligt gewesen sein soll, wurde vor einigen Monaten ein Anschlag verübt.

Frau Kapaschewa will ihren Mann zurückhaben und hat eine Stiftung namens Tagdyr - Schicksal - gegründet, deren Aufgabe es ist, alle Opfer Alijews, seien sie in Kasachstan oder im Exil, zusammenzubringen. Sie zeigte sich erfreut, dass die österreichische Justiz ihre zögerliche Haltung aufgegeben hat. Alijew scheint jedenfalls besorgt zu sein und sieht sich nach einem neuen Exil um. Nach Medienberichten aus den USA soll er bei den US-Behörden brisante Informationen über Präsident Nasarbajew gegen Schutz vor Verfolgung angeboten haben.

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