Ex-Hewlett-Packard-Chefin tritt in Fettnapf: "McCain kann keinen Konzern leiten"

Carly Fiorina soll Wahlkampf für McCain und Palin machen. Doch ihre Aussagen über deren wirtschaftliche Kompetenz hat die Republikaner auf die Palme gebracht. TV-Interviews sind ihr nun verboten worden.

So groooooß muss die Kompetenz sein, um Konzernchef werden zu können: Carly Fiorina. Bild: ap

BERLIN taz Carly Fiorina sollte eigentlich im US-Präsidentschaftswahlkampf für die wirtschaftliche Kompetenz von John McCain werben. Nun hat die Ex-Topmanagerin des Softwareriesen Hewlett-Packard das gesamte Wahlkampfteam der Republikaner gegen sich aufgebracht - mit Äußerungen über McCain und seine Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die eher eines Joe Biden würdig seien, wie Teamkollegen kommentierten. Biden ist der "running mate" von McCains Rivale Barack Obama und bekannt dafür, gerne mal spontan ins Fettnäpfchen zu treten.

Von einer lokalen Radiostation in St. Louis befragt, ob sie denke, dass Sarah Palin ein Unternehmen wie Hewlett-Packard zu führen in der Lage sei, antwortete Fiorina mit einem klaren "Nein". Allerdings schob sie hinterher, dass die Führung einer Nation nicht mit der eines Konzerns zu vergleichen sei. Vom TV-Sender MSNBC auf ihre Bemerkung angesprochen, sprach sie daraufhin auch dem Präsidentschaftskandidaten McCain die Fähigkeit ab, ein Unternehmen zu leiten.

Angesichts der Tatsache, dass die angespannte ökonomische Lage in den USA immer stärker ins Zentrum des Wahlkampfes rückt, sind Fiorinas Einschätzungen natürlich ein gefundenes Fressen für die Kampagne der gegnerischen Demokraten. Da hilft es auch nichts, dass sie sich gegenüber MSNBC beeilte hinzuzufügen, auch Barack Obama und Joe Biden besäßen keinen ausreichenden, wirtschaftlichen Background.

Gegenüber dem TV-Sender CNN sagte ein Mitglied des Wahlkampfteams von McCain-Palin, Fiorinas Aussagen würden schon sehr an Senator Bidens Ausrutscher erinnern. Ihr würde nun abgeraten, in nächster Zukunft den Medien Interviews zu geben. Ein anderes Mitglied der McCain-Palin-Kampagne hielt sich mit seinem Ärger über Fiorina weniger zurück: "Carly wird nun verschwinden. Senator McCain war wirklich sehr erbost". Auf die Frage von CNN, was er unter "Verschwinden" verstehe, antwortete der anonym bleibende Wahlkampfhelfer, sie würde für eine Weile nicht mehr im Fernsehen zu sehen sein, bliebe aber im National Committee der Republikaner und im Spendenkommittee der Partei für den Präsidentschaftsbewerber. Die Interviews, die Fiorina in den nächsten Tagen auf verschiedenen TV-Sendern, unter anderem auch CNN geben sollte, wurden inzwischen gecancelt.

Von 2000 bis 2005 saß Fiorina an der Spitze von Hewlett-Packard. In dieser Zeit wurde sie auch regelmäßig vom US-Wirtschaftsmagazin Fortune als mächtigste Frau in der Wirtschaft gekürt. Dabei war ihre Unternehmensführung umstritten: Die von ihr 2002 durchgeführte Fusion zwischen Hewlett-Packard und Compaq stieß weithin auf Ablehnung und brachte die Aktienkurse beider Unternehmen kurzzeitig zum Absturz. Zwar gelang es ihr, Hewlett Packard finanziell zu konsolidieren und den Umsatz zu steigern, doch Kritiker warfen Fiorina mangelnde Branchenkenntnis und die Entlassung von 15.000 Mitarbeitern vor. Nach internen Konflikten mit dem Verwaltungsrat des Konzerns über die Weitergabe von Insider-Informationen an die Presse wurde Fiorina entlassen.

Zeitweise galt sie als mögliche Nachfolgerin von Alan Greenspan, dem Ex-Vorsitzenden der US-Notenbank. Ihr Name fiel auch bei der Suche nach einer geeigneten Kandidatin der Republikaner für das Amt des Vizepräsidenten an der Seite McCains.

Schon im Juli hatte Fiorina vor allem christliche Fundamentalisten innerhalb des republikanischen Lagers gegen sich aufgebracht. Gegenüber Reportern äußerte sie, viele Frauen würden sich darüber beklagen, dass Krankenversicherungen zwar die Kosten für Viagra abdeckten nicht aber die für Verhütungsmedikamente. Ein Thema, das John McCain lieber auslässt: "Dies möchte ich sicherlich nicht diskutieren," so McCain als ihn die Presse mit der Aussage Fiorinas konfrontierte. Sein Kommentar und sein darauf folgendes langes Schweigen blieben aber über Tage Schlagzeile in den Medien OP

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