Evangelischer Kirchentag in Bremen: "Wir brauchen realistische Konzepte"

Präsidentin Karin von Welck will die Wachstumsideologie brechen und neue, realistische Zukunftskonzepte entwickeln. Fortgesetzt werden soll in Bremen auch der interreligiöse Dialog.

Alles gut vorbereitet zum Kirchentag in Bremen, für den mehr als 10.000 Teilnehmer erwartet werden. Bild: dpa

BERLIN dpa | Angesichts der globalen Wirtschaftskrise will der Kirchentag die Ideologie des Wachstums brechen und neue Zukunftskonzepte entwickeln. "Das Ende der Neid-Gier-Debatte scheint gekommen zu sein", sagte die Präsidentin des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentags, Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos), am Mittwoch in Bremen.

Der Kirchentag wolle in die Diskussion über die grundlegenden Prinzipien und Werte unserer Gesellschaft die Maßstäbe des Menschlichen einbringen. Neben der Wirtschaftskrise gehe es auch um die zunehmenden sozialen Verwerfungen und die ökologische Krise, deren Bewältigung keinen Aufschub mehr dulde. Der Kirchentag rufe zu einer Debatte über Verantwortung auf.

Wir können Visionen austauschen, aber wir müssen realistische Zukunftskonzepte entwickeln, die umsetzbar sind", sagte Welck über den Kirchentag, zu dem knapp 100.000 Dauerteilnehmer bis Sonntag kommen.

Massive Kritik übte sie an der Aberkennung des Hessischen Kulturpreises für den muslimischen Publizisten Navid Kermani wegen seiner Kritik an der christlichen Kreuzestheologie. Diese Intoleranz gegenüber dem offenen Dialog zeige, welchen weiten Weg wir noch vor uns haben, sagte Welck. In Bremen wolle der Kirchentag den interreligiösen Dialog fortsetzen. "Wir hätten Navid Kermani gerne hier in Bremen gehabt, was ihm aber zeitlich leider nicht möglich war."

Mit Blick auf die Jubiläen 60 Jahre Bundesrepublik und Grundgesetz sowie 20 Jahre friedliche Revolution betonte Welck die ungebrochene Bedeutung des Kirchentages für eine menschliche Gesellschaft: "Wir müssen darüber sprechen, ob die Demokratiekonzepte, die mit der Wachstumsgesellschaft verbunden waren, noch tragfähig sind."

Die Generalsekretärin des Kirchentages, Ellen Ueberschär, betonte auch die Verknüpfung von christlicher Spiritualität und politischer Verantwortung als Säulen des Kirchentags. Es gehe darum, eine gerechte Welt aus christlicher Überzeugung zu gestalten. Der Jugend wolle man sich besonders öffnen. Der Kirchentag sei ein attraktives Ereignis "für ein U-30-Publikum. Wir wollen, dass junge Menschen selbstbewusste Persönlichkeiten werden, die weder für fundamentalistische Werbungsversuche anfällig sind, noch sich vollständig in die Abhängigkeit einer totalen Trash-Kultur begeben."

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de