Europride in Madrid: Soli für Polens Lesben und Schwule

Mehr als anderthalb Millionen Menschen demonstrieren beim diesjährigen Europride in der spanischen Hauptstadt Madrid für ihre Rechte und Freiheiten

Anderthalb Millionen feiern andersrum Bild: dpa

MADRID taz Endlich hatten sie was zu lachen. Sprüche wie "Viva Tinki Winki" begleitet von frenetischem Applaus erklangen, egal wo sich der Block der polnischen Teilnehmer am Samstag auf dem Europride in Madrid sehen ließ. Es tat dem bunten Haufen aus dem Reich der Kazcynski-Brüder sichtlich gut, die Protagonisten der diesjährigen Großdemonstration der europäischen Schwulen, Lesben und Transsexuellen zu sein. Die spanische Kulturministerin Carmen Calvo, die mit anderen Linkspolitikern und den Chefs der Gewerkschaften an der Spitze des Zuges mitlief, kritisierte die Politik der Kaczynskis scharf: "Diese ist in Sachen Menschenrechte nicht hinzunehmen, und das noch weniger, da es im Herzen Europas passiert."

"Jetzt Europa! Die Gleichheit ist möglich!" hieß das Leitmotiv des Umzugs. Mehr als 1,5 Millionen Menschen kamen, 200.000 davon aus dem Ausland. Die Demonstranten und Parade mit 45 Wagen von Organisationen und Clubs bevölkerten vom späten Nachmittag bis nach Mitternacht die wichtigsten Boulevards im Zentrum der spanischen Hauptstadt.

Die polnischen Schwulen und Lesben waren nicht die Einzigen, die Solidarität in ihrem Kampf für Gleichberechtigung bekamen. In einem Block der "unsichtbaren Frauen und Männer" wurden diejenigen unterstützt, die neben Osteuropa auch in Lateinamerika und verschiedenen muslimischen Ländern als sexuelle Minderheit frei zu leben versuchen. Amnesty international führte Pappfiguren mit. Sie waren mit dem Namen von inhaftierten Schwulenaktivisten überall auf der Welt beschriftet.

Die meisten lateinamerikanischen Länder waren mit Delegationen vertreten. Vor dem Europride hatten sie ihr erstes kontinentales Treffen in Madrid abgehalten. Sie suchten den Austausch mit spanischen Verbänden, um von deren erfolgreichem Kampf für sexuelle Gleichberechtigung zu lernen. Seit vor zwei Jahren die Homoehe legalisiert wurde, gilt das Land vielen als Vorbild.

Spaniens katholische Rechte, die versucht hatte, dieses Gesetz zu verhindern, war auch auf dem Europride wieder Zielscheibe der Kritik. Mit Spruchbändern forderten die Teilnehmer des Marsches ein laizistisches Spanien. Mancher hatte sich als Engel, Nonne, Bischof oder gar Papst verkleidet, um die verstaubte Moral vorzuführen.

"Die Länder, wo wir so etwas organisieren können, sind eine Minderheit gegenüber dem Rest der Menschheit", erklärte die in Spanien bekannte Popsängerin Alaska. Sie warnte davor, zu glauben, dass in Spanien die sexuelle Freiheit überall so groß sei wie in Madrid mit seinem Schwulenstadtteil Chueca. "Den Menschen, die in einer Kleinstadt leben, geht es nicht gut", gab Alaska zu bedenken. 2008 wird der Europride in Stockholm stattfinden.

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