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Es funkt an allen Ecken

Aus den Piratensendern von einst wurden ernsthafte Projekte /  ■ Perspektiven und Probleme nichtkommerzieller Radios

„Hallo, hier ist Radio Bergedorf, wir senden heute live aus der HWP.“ Auch wenn sich die Pläne einer Liveübertragung per Offenem Kanal nicht realisieren ließen, lohnt sich der Gang zur diesjährigen Fachtagung der AG Radio. Der Zusammenschluß von mittlerweile neun Alternativ-Radioprojekten Hamburgs will sich am Samstag ab 10.30 Uhr der Öffentlichkeit vorstellen. In der Hochschule für Wirtschaft und Politik, Von-Melle- Park 9, stehen „Perspektiven und Probleme nichtkommerzieller Radios“ auf der Tagesordnung.

Im Workshop von Radio Loretta, Nachfolgeprojekt von radio st. pauli, wird der Perspektive allerdings erst einmal die Analyse des Vergangenen vorangestellt. Der „Blick zurück in Gelassenheit“, so der Titel des Workshops, will die Gründe für das Scheitern von radio st. pauli und Radio Korah beleuchten. Der Pink Channel gibt schließlich Einblicke in die Befindlichkeiten eines Schwulen- und Lesbenrundfunks. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Bürgerschaftsparteien ist für 17 Uhr vorgesehen. Den Fragen, Vorwürfen, Anregungen des Publikums stellen sich Uwe Voigt (SPD), Ulrich Karpen (CDU), Hartwig Sengelmann (FDP) und Helmut Hildebrand (GAL). Aus dem Vorstand der Hamburgischen Anstalt für neue Medien (HAM) ergänzt Thomas Ricken die Riege.

Zu diskutieren gibt es genug. So will die HAM im neuen Mediengesetz den Passus über gemeinnützigen Rundfunk (sogenanntes Zweisäulen-Modell) ersatzlos streichen. Nichtkommerzielle Bewerber für eine Sendelizenz müßten sich dann mit der finanzstarken kommerziellen Konkurrenz auseinandersetzen.

Der Offene Kanal Hamburg plant, feste Sendezeiten für NutzerInnen zu vergeben. Zusammenschlüsse, also Gruppen, sind davon aber ausgenommen. „Eine enorme Beschneidung unserer Sendemöglichkeit“, befürchtet Marcel Stötzler von Loretta.

Licht in das Dunkel der Materie kann Otfried Jarren bringen. Der Journalistik-Professor aus Hamburg stellt seine im Auftrag der HAM erarbeitete Untersuchung über den Offenen Kanal zwar erst am kommenden Dienstag der Öffentlichkeit vor. Mit etwas Glück verrät er aber schon einiges am Samstag, seine Tagungsteilnahme gilt als sicher.

Nach so viel Kopfarbeit darf der Bauch nicht zu kurz kommen, die Bands Scapular und Daisy Chain lassen den Arbeitstag musikalisch ausklingen. Für vier Mark bekommmt man eine Lesung Hamburger Dichter quasi gratis dazu. Martin Busche

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