Erinnern an den großen Dichter: Heine und die Antifa

Das Jüdische Theater Bimah bringt die „Hebräischen Melodien“ Heinrich Heines auf die Bühne und zeigt eine unbekannte Seite des Dichters.

Heinrich Heine zur Zeit seiner "Winterreise". Bild: Archiv

„Denn ich bin kein Romantiker – ich bin Antifa“, heißt es bei der Berliner Rap-Gruppe K.I.Z., die bei diesem Vers möglicherweise auch an Heinrich Heine dachte. Ausschließen kann man es jedenfalls nicht: Den Überwinder der Romantik, wie Heine oft genannt wurde, kennt man in Deutschland vor allem wegen seiner sozialkritischen Gedichte wie „Die Schlesischen Weber“ („Wir weben, wir weben!“) oder seines Reiseberichts „Deutschland. Ein Wintermärchen“.

Eher widerwillig wurde der religiös gleichgültige Heine durch sein Lebenswerk auch zu einem der bedeutendsten deutschen Vertreter jüdischer Kultur. Als Jude geboren, ließ er sich zunächst nur aus Karrieregründen protestantisch taufen. Seiner Frau Mathilde zuliebe heiratete er nach katholischem Ritus, seinen jüdischen Hintergrund verheimlichte er ihr aber bis zum Schluss. Die Anerkennung als Gleichberechtigter unter der europäischen Intelligenz blieb dem Dichter trotzdem zeitlebens verwehrt. Weniger bekannt ist, dass sich Heine in seinem Spätwerk auch stärker mit seiner Herkunft auseinandergesetzt hat. In den „Hebräischen Melodien“, die Heine am Ende seines Lebens schrieb, widmet er sich intensiv jüdischen Themen. In einer szenischen Lesung präsentiert das Jüdische Theater Bimah heute und am Freitag die drei Gedichte – wie jedes Jahr in einem Sonderprogramm zu Heinrich Heines Todestag (der am 17. Februar war). Nach der musikalisch umrahmten Vorstellung steht der Regisseur und Intendant Dan Lahav dem Publikum Rede und Antwort.

Schwerpunktmäßig befasst sich das Theater allerdings nicht mit Religion. „Unser Programm ist bunt gemischt. In den meisten Stücken geht es um die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben in Deutschland und jüdischer Kultur“, erklärt Sylvia Magee, Pressesprecherin des Theaters. „Wir spielen Stücke von bekannten amerikanischen und israelischen Autoren wie Kishon, aber auch Stücke über große deutsch-jüdische Autoren und Künstler wie Kurt Tucholsky.“

Ein Stück über Tucholskys bewegtes Leben wird dabei im Rahmen des Berliner Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“ aufgeführt, in Erinnerung an die Machtübernahme der Nazis vor 80 Jahren. Termin des satirischen Kabaretts im Bimah ist am 27. Februar – 1933 brannte an diesem Tag der Reichstag.

Wie auch sein großes Vorbild Heinrich Heine starb Tucholsky im Exil. Seine Bücher wurden von den Nazis verbrannt. Und die grausame Prophezeiung in Heines vielleicht bekanntestem Zitat wurde wahr: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Heine, erster Antifa.

"Hebräische Melodien" im Jüdischen Theater Bimah, Admiralspalast, heute und Fr., 20 Uhr, 18 Euro

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