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Erdrutschsieg der LinksparteiDoch zwei Koalitionsoptionen

Das BSW scheitert an der 5-Prozent-Hürde, Kenia-Koalition bleibt so eine Option. Grüne verlieren Kreuzberg an die Linken, Giffey hat kein Mandat mehr.

Das BSW hat nach Auszählung aller 4.114 Wahlbezirke den Einzug ins Abgeordnetenhaus doch verpasst. Dadurch ist eine zwischenzeitlich am Sonntagsabend nicht mehr möglich erscheinende Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD als Alternative zu einem Linksbündnis zumindest rechnerisch wieder aktuell. Mit einer BSW-Fraktion im Landesparlament hätte es dazu knapp nicht gereicht.

Auf die Linkspartei entfielen bei der Wahl 25,7 Prozent der gültigen Stimmen, auf die CDU 18,8 Prozent, auf die AfD 16,1. Die Grünen, die sich am Wahlabend schon als Dritter gefeiert hatten, rutschten mit 14,3 Prozent noch auf Platz 4 ab vor der SPD mit 12,1 Prozent und dem BSW – zeitweise bei 5,0 – mit 4,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 74,3 Prozent, deutlich mehr als bei der Wahl im Februar 2023 mit damals nur 62,9 Prozent.

Auf Bezirksebene bildet sich der Erfolg der Linkspartei nirgendwo so stark ab wie in Friedrichshain-Kreuzberg. Sie lag dort nach Auszählung aller Stimmen bei 44,2 Prozent, mehr als doppelt so viel wie bei der Berlin-Wahl 2023. In der früheren Hochburg der Grünen nahm ihnen die Linkspartei 2025 schon das Bundestagmandat ab, das 2002 Grünen-Ikone Hans-Christian Ströbele für sie erobert hatte.

Nun gewannen die Grünen keinen einzigen der dieses Mal fünf Wahlkreise fürs Abgeordnetenhaus in dem Bezirk – alle gingen an die Linkspartei. Bei der Berlinwahl im Februar 2023 hatten die Grünen fünf von damals sechs Direktmandaten gewonnen, nur eins war an die Linkspartei gegangen. Damit ist im neuen Landesparlament eine erfahrene Fachpolitiker wie die Mieten-Expertin Katrin Schmidberger, die nicht über die Landesliste abgesichert war, nicht mehr vertreten.

Eralp gewinnt Wahlkreis mit Rekordergebnis

Das berlinweit beste Erststimmenergebnis erreichte im Kreuzberger Wahlkreis 1 – in dem auch das taz-Haus liegt – Linkspartei-Spitzenkandidatin Elif Eralp mit 50,4 Prozent. Auf genau 50,0 Prozent kam ihr Parteikollege Philipp-Martin Dehne im Nachbarbezirk in Neukölln-Nord.

Die frühere Regierende Bürgermeisterin und Noch-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) verpasste hingegen einen Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus. Wider alle Vorhersagen fiel ihre Niederlage aber äußerst knapp aus. Lag ihr CDU-Konkurrent 2023 noch rund 16 Prozentpunkte vor ihr – damals konnte Giffey anders als jetzt über die SPD-Bezirksliste ins Parlament rücken -, so verlor sie nach einem sehr intensiven Wahlkampf nun nur mit 26,3 zu 27,7 Prozent.

Ihr Erstimmenergebnis lag fast zehn Prozentpunkte über dem Zweitstimmenergebnis der SPD in ihrem Wahlkreis. In ganz Berlin gewann nur ein einziger SPDler überhaupt einen der 78 Wahlkreisen: Lars Düsterhöft in Adlershof und Altglienicke in Treptow-Klöpenick.

Erstes Grünen-Direktmandat im Südwesten

Die Grünen konnten dafür erstmals einen Wahlkreis im als bürgerlich eingeordneten Steglitz-Zehlendorf gewinnen. Tonka Wojahn, seit 2023 im Landesparlament, siegte im Wahlkreis 1 mit der Steglitzer Haupteinkaufsmeile Schlossstraße vor vor ihrer CDU-Konkurrentin. Nur rund zwei Prozentpunkte fehlten im Nachbarwahlkreis Südende ihrem im Wahlkampf antisemitisch attackierten Parteikollegen Daniel Eliasson, um am CDU-Bewerber vorbei zu ziehen. Auf Platz 3 landet in jenem Wahlkreis SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach. Auch alle anderen Wahlkreis in Steglitz-Zehlendorf gingen an die CDU.

Hinweis: Dieser Text wurde um 0.45 Uhr und 6.15 Uhr aktualisert.

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