: Engholm will nicht baden
■ Empörung über „Titanic“-Satire
Bonn/Kiel (AFP/taz) – Mit Empörung hat die SPD auf das jüngste Titelbild des Satiremagazins Titanic reagiert, das in einer Fotomontage den SPD-Parteivorsitzenden Björn Engholm lächelnd in einer Badewanne zeigt. Dieser Titel sei „widerwärtig“, erklärte SPD-Sprecherin Cornelie Sonntag gestern in Bonn. Hier würden „die Grenzen des Anstandes überschritten und die Menschenwürde beschmutzt“. Die SPD prüft rechtliche Schritte gegen den Verlag. Außerdem wollen die Sozialdemokraten den Presserat anrufen. Auch der schleswig-holsteinische SPD-Landesverband will sich mit „allen Mitteln“ gegen solche „Entgleisungen“ in der Berichterstattung wehren. Titanic-Chefredakteur Hans Zippert äußerte sich „entsetzt und betroffen“ über die Reaktionen. Diese könnten nur auf „einem großen Mißverständnis“ beruhen. Der Titel ähnelt dem Foto, das den früheren Kieler Ministerpräsidenten Uwe Barschel tot in einer Badewanne zeigt. Barschel hatte sich nach Bekanntwerden seiner Verwicklung in die Rufmord-Kampagne gegen den damaligen Oppositionsführer Engholm im Landtagswahlkampf 1987 das Leben genommen. Zippert sagte, das Titelbild sei keineswegs bewußt geschmacksverletzend oder provokant gemeint, sondern „eher versöhnlich und positiv“. Engholm habe die Augen geöffnet und lächele, im Hintergrund sei eine kleine Ente zu sehen. „Das ganze ist natürlich keine Aufforderung an Herrn Engholm, sich jetzt auch noch in die Wanne zu legen.“ Im Holsteinischen Courier war bereits vor wenigen Tagen eine namentlich nicht gezeichnete Anzeigen mit dem Text „Guten Morgen, Herr Engholm! Das Badewasser ist schon eingelassen, Beau Rivage 93“ erschienen.
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