piwik no script img

Endlich vorbei

Werder Bremen feiert nach dem zweiten mühseligen Remis gegen Heidenheim den Klassenerhalt. Jetzt steht die Aufarbeitung einer missratenen Saison an

Aus Heidenheim Christoph Ruf

Es war die pure Erleichterung, die den Bremer Funktionären nach dem 2:2 im zweiten Relegationsspiel ins Gesicht geschrieben stand. Nach dem feststehenden Klassenerhalt drang kein Jubelschrei aus dem Kreis der Werder-Offiziellen. Stattdessen sah man, wie sich Vereinschef Klaus Filbry, Sportchef Frank Baumann und der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode wechselseitig gratulierten, während unten die am Boden zerstörten Heidenheimer Spieler einen Kreis bildeten. Minuten nach Schlusspfiff führten die Bremer Spieler dann doch ein kleines Tänzchen auf und ließen Vereinsikone Claudio Pizarro hochleben, der seine Karriere beendet.

Für lautes Triumphgeheul hatte das 2:2 in Heidenheim allerdings auch keinen Anlass gegeben. Nur durch ein Eigentor von Norman Theuerkauf war Werder überhaupt in Front gegangen (3.), ehe Tim Kleindienst ausglich (85.), Ludwig Augustinsson auf 2:1 für Werder stellte und erneut Kleindienst mit einem verwandelten Elfmeter den letztlich wertlosen 2:2-Ausgleich erzielte (90.+4.). Nach dem 0:0 im Hinspiel war Heidenheims Traum von der ersten Liga dank der Auswärtstorregel geplatzt.

Werder hingegen schaffte auf der Ostalb den wohl glücklichsten Klassenerhalt in der jüngeren Bundesligageschichte und brachte eine gründlich missratene Saison so doch noch zu einem glimpflichen Ende. Eine Saison, in der Werder erst am letzten Bundesligaspieltag überhaupt den Relegationsplatz erklommen hatte. Um dann am Ende doch noch zu triumphieren, obwohl der kampfstarke Zweitligist keines der beiden Relegationsspiele verloren hatte. Ein Absturz in die zweite Liga hätte für Werder Mindereinnahmen von 45 Millionen Euro und den Verlust fast aller Führungsspieler bedeutet. Doch auch in der ersten Liga drohen massive finanzielle Einschnitte.

Werder schaffte den wohl glücklichsten Klassenerhalt in der jüngeren Ligageschichte

Fragen nach dem Großen und Ganzen beantwortete Werder-Coach Florian Kohfeldt nach dem Spiel zunächst nur widerwillig. Es könne und dürfe kein „Weiter so“ geben. „Aber heute darf gefeiert werden.“ Man habe sich in den vergangenen Wochen „viel berechtigte Kritik“ anhören müssen. „Das hat gezehrt. Jetzt merke ich, wie Druck abfällt, aber das wird dauern, weil da war eine Menge auf den Schultern. Nicht nur bei mir.“ Er bitte um Verständnis, dass er erst mal nur den Klassenerhalt feiern wolle. Noch in dieser Woche werde man sich zusammensetzen, um zu analysieren, wie es zu einer „Scheiß Saison“ (Kohfeldt) kommen konnte, in die Werder mit europäischen Ambitionen gestartet war, um dann mit 31 Zählern und dem Umweg über eine sieglose Relegation doch noch die Klasse zu halten.

Gesprächsthemen wird es genug geben, wenn Kohfeldt wohl gegen Ende der Woche mit Geschäftsführung und Aufsichtsrat die Saison aufarbeitet. Zum Beispiel die lange Verletztenliste zu Beginn der Spielzeit, die Kohfeldt noch am Montag als einen der Hauptgründe für die misslungene Spielzeit benannte. Auch die kostspielige, aber misslungene Transferpolitik, die den Weggang von Max Kruse nicht gleichwertig auffangen konnte, und der phasenweise erschreckende Fitnesszustand der Mannschaft müssen aufgearbeitet werden. Und schließlich wird es auch um die Zukunft des Trainers selbst gehen, der allerdings schon nach Schlusspfiff einige Signale erhielt, dass Werder weiter mit ihm plant. „Florian hat in einer ganz schwierigen Saison gezeigt, dass er solche Situationen meistern kann. Ich bin nach wie vor von Flo absolut überzeugt. Da gibt es für mich keine Fragen“, sagte Sportchef Frank Baumann dem Weser-Kurier. Falls auch Kohfeldt weitermachen will, wovon beim Herzens-Werderaner auszugehen ist, dürfte einer weiteren Zusammenarbeit also nichts im Wege stehen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen