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Empowerment und Provokation Fotze als unser Kampfbegriff

Was lange als misogyne Beleidigung galt, haben wir Frauen uns zurückgeholt. Ein Tabubruch, der Mut macht: Wenn wir uns Fotzen nennen, ermutigen wir uns, sind wütend und stoßen an.

Wenn dich das provoziert, haben wir erreicht, was wir wollten Foto: Wilma Johannssen

taz lab | Letztens sah meine Schwester mal wieder voll fotzig aus. Ja, ganz richtig gehört. Meine Schwester, meine beste Freundin, meine Mädels-Gang, sie alle können fotzig sein oder aussehen. Ihr Outfit, ihre Attitude, ihr Sprüchekloppen.

Für alle, die es verschlafen haben: Was lange als misogyne Beleidigung galt, haben wir Frauen uns längst zurückgeholt. Wenn wir das Wort Fotze selbst benutzen, deuten wir es um. Der Begriff Fotze wird von uns sogar als Kompliment begriffen. Und das Beste: Wir nehmen all den Mackern, die uns mit diesem Wort erniedrigen wollen, ein entscheidendes Machtinstrument einfach weg.

Mut zur Vulgarität

Damit angefangen haben Rapperinnen wie Sxtn oder aktuell Ikkimel. Mit ihren Raptexten sind sie vor allem eins: ungefiltert und in die Fresse.

Wenn wir uns also Fotzen nennen, steckt da Empowerment drin. Wenn das knappe Outfit meiner Schwester fotzig ist, dann ermutige ich sie, sich anzuziehen, wie sie möchte. Wenn wir uns Fotzen nennen, ermutigen wir uns, laut und wütend zu sein. Das bewusst provozierend gewählte Wort Fotze vermittelt ein Gefühl. Es kann beim Gegenüber entweder Empörung oder Kampfgeist oder Empathie auslösen.

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Wenn Sie sich also über dieses für Sie obszöne Wort ärgern, dann haben wir erreicht, was wir wollen. Für uns ist Fotze zum Kampfbegriff geworden, zu einer Verpackung, in der viel mehr steckt als eine Umdeutung. Dazu zählen auch die Stimmung und die Vibes, die transportiert werden, wenn uns das Wort Fotze über die Lippen geht. Ein Tabubruch, eine Grenzüberschreitung und eine Kampfansage. Es macht Mut, vulgär zu sein!

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