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berliner szenenEmpörung teilen in der Schlange

Mit dem 49-Euro-Ticket ruckelt es online noch, vielleicht klappt es am Bahnhof Zoo. Der Weg zum Kundenzentrum der BVG gleicht einem Rätsel-Parcours, es liegt versteckt auf dem Bahnsteig der U2. Die Warteschlange reicht bis nach draußen, die gesamte Treppe hoch. Etwa 40 Personen verfolgen missmutig das Vorrücken, die Zugluft nervt.

Drei alte Frauen sind ins Gespräch gekommen, ziemlich resigniert: alles nur noch mit dem Computer, mein Sohn konnte mir auch nicht helfen, es wird immer schlimmer. „Aber das Schlimmste ist“, will jetzt eine toppen, „dass die Krankenkasse noch Beiträge für den verstorbenen Mann fordert.“. Jetzt kommt Bewegung auf. Ausgeschlossen, Unsinn, das könne doch gar nicht sein. Doch, ihrer Mutter sei genau das passiert. Die musste als Witwe noch jahrelang zahlen. Während sich das Thema über einen größeren Abschnitt der Schlange ausbreitet, googele ich in der Absicht, die Geschichte entkräften zu können. Tatsächlich, so unrecht hat die Frau nicht. Die Hinterbliebenenrente gilt als Einkommen, für Einkommen müssen Krankenkassenbeiträge abgeführt werden, deshalb wird die Rente reduziert ausgezahlt.

Erschrockene Gesichter. „Gut, dass ich nicht geheiratet habe“, triumphiert jetzt eine, „Männer taugen sowieso nichts.“ Das Thema hat das Warten extrem verkürzt, die drei hinter der Scheibe scheinen außerdem ziemlich schnell zu sein. Zwar wird gerade ein Kollege eingearbeitet, aber seine Kollegen helfen und lachen dabei viel. Ihre gute Stimmung überträgt sich leider nicht auf die Schlange. „Sag ich doch, dass die nichts taugen“, fühlt sich die Ätzerin bestätigt. Aber das geht einer der bisher schweigenden jungen Frauen jetzt doch zu weit. „Also, ich würde den nehmen.“ Mir würde ja schon das Ticket reichen.

Claudia Ingenhoven

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