piwik no script img

Elphi,meinePerle

Vor einem Jahr wurde in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet. Ist man einmal drin, erliegt man ihr

Eigentlich wollte ich sie ja hassen. Diese unerhört teure, quälend langsam gebaute Elbphilharmonie, die sie uns in Hamburgs Hafen gesetzt haben. Was habe ich gewettert über Kosten- und Planungschaos, über den viel zu noblen Elite-Bau. Habe inständig gehofft, dass wir Hamburger ihn mit Missachtung strafen würden, wenn er erst eröffnet sei.

Aber dann habe ich es einfach nicht geschafft. Nicht am Eröffnungsabend und bei keinem Konzert danach. Dabei ist es schon mühsam, die steilen Holzstufen hochzukraxeln, auf denen sich bereits etliche die Beine brachen. Einmal ist sogar ein Elbphilharmonie-Mitarbeiter gestürzt und lag minutenlang blutüberströmt im Saal.

Schwamm drüber: Sitzt man erst mal in dieser modernen Arena, sind Gemeinschaftserlebnis und Akustik fantastisch. Denn dieser an den Wänden gewellte Saal, klug gebaut nach dem Eierkarton-Prinzip, zerlegt den Klang in die Partikel, aus denen er entstand, schaut dem Komponisten quasi bei der Arbeit zu. Er dekonstruiert, was Romantik-Orchester einst pompös übertünchten, zeichnet jedes Timbre scharf.

Das heißt auch, dass dieser Saal keine unsaubere Intonation verzeiht, keinen minimal verpatzten Einsatz. So etwas können nur die besten Orchester parieren. Am schönsten ist es, wenn ein kleines Ensemble, vielleicht sogar ein einzelner Sänger wie ein Engel von der Balustrade singt, wie Countertenor Philippe Jaroussky bei der Eröffnung vor einem Jahr. Dann mutiert die Elbphilharmonie zum sakralen Raum. Sie wird Tempel der Musik – den ich nie mehr missen möchte. Petra Schellen

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen